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Die Bewerbungsverfahren an verschiedenen Hochschulen für einen Studienplatz sind höchst unterschiedlich strukturiert. Wer einen Bachelor-Studienplatz an der Goethe Universität in Frankfurt am Main haben will, braucht im Prinzip nur die Anmeldemaske auszufüllen und seine Bewerbung abzusenden, ausgewählt werden dann 80% der Studenten nach ihrer Abiturnote und 20% nach der Anzahl ihrer Wartesemester. Mithin handelt es sich also gar nicht um reine „richtige“ Bewerbung im klassischen Sinne und der Aufwand hält sich dementsprechend sehr in Grenzen.

Anders dagegen das Bewerbungsverfahren an privaten Hochschulen in Deutschland aber auch an einigen öffentlichen, sehr renommierten Hochschulen im In- und Ausland. Studenten an den weltweit besten Hochschulen durchlaufen ein umfassendes Bewerbungsverfahren, dessen Vorbereitung sehr zeitintensiv ist. Der Wettbewerb um einen Studienplatz an den besten Institutionen der Welt wird hart und erbittert von vielen herausragenden Schülern und Studenten betrieben, die alle wissen, dass von den vor ihnen liegenden Entscheidungen ihr gesamter weiterer Lebensweg stark beeinflusst werden kann, da das Studium an den Top-Hochschulen der Welt das Ticket in eine akademische oder professionelle Spitzenkarriere sein kann. Die Universität Mannheim ist berühmt-berüchtigt für ihre extremen Anforderungen an die Abiturnote neuer Studenten, dich sie im Studiengang Betriebswirtschaftslehre immatrikulieren wollen, an den besten privaten Hochschulen Deutschlands kommen etwa zwischen 3 bis 5 Bewerber auf je einen Studienplatz, an den ausländischen Spitzenhochschulen sind es etwa 10 bis 15 Bewerber, die auf je einen MBA-Studienplatz kommen und ganz oben an der Spitze des zum Teil brutalen darwinistischen Selektionsprozesses stehen elitäre Hochschulen wie die London School of Economics oder Cambridge und Oxford, die beispielsweise auf ihre Master in Finance oder Master in Economics Programme 25 oder mehr Bewerbungen pro verfügbaren Studienplatz erhalten. Oder anders: An vielen Hochschulen bekommen nur zwischen 3% und 10% der Bewerber einen Studienplatz zugesagt.

Wer sich diesem Wettbewerb erfolgreich stellen will, braucht mehr als nur exzellente schulische oder akademische Leistungen und Spitzennoten, denn das haben fast alle anderen Bewerber ebenfalls. Ganz gleich ob es um einen Bachelor-Studienplatz an der WHU oder der EBS oder um einen Master-Studienplatz im Ausland geht, wer Erfolg haben will, muss eine exzellente und aussagekräftige Bewerbungsmappe einreichen, die glasklar und überzeugend schildernd, warum ausgerechnet „er“ oder "sie" genau der Student ist, nach dem die angeschriebene Hochschule händeringend sucht.

In vielfacher Hinsicht ist der Bewerbungsprozess an einer Spitzenhochschule der Bewerbung um ein hochdotiertes Stipendium nicht unähnlich. Unser Ratgeber zur Bewerbung für Stipendien ist daher im Vergleich zu diesen Seiten sehr ähnlich aufgebaut und generell kann die Aussage getroffen werden, dass jeder der weiß, worauf es bei einer erfolgreichen Hochschulbewerbung ankommt, auch weiß, was bei einer Stipendienbewerbung zu beachten ist. Denn nicht nur die Bewerbungsmappen sind ähnlich und zeigen nur wenige Unterschiede, sondern auch die immer wieder kehrende zentrale Frage: Warum ist der Bewerber für die adressierte Institution genau die Person, nach der gesucht wird?

   Worauf Hochschulen achten

Die Bewerbung für einen Studienplatz an einer sehr guten Hochschule stellt hohe Anforderungen an die Bewerber in sehr vielen verschiedenen Bereichen. Auch wenn die Bewerbungsprozesse von Hochschule zu Hochschule geringfügig unterschiedlich sind und sich vor allem die Bewerbungskriterien zwischen wissenschaftlichen Programmen und Business School Programmen sehr voneinander unterscheiden, gibt es eine Reihe von Merkmalen und Kriterien die fast alle Hochschulbewerbungsprozesse miteinander teilen. Wir schauen nachfolgend auf die wichtigsten Merkmale, die die Entscheidung zur Zulassung zu einem Studienplatz maßgeblich beeinflussen und gehen auch darauf ein, wann welche Elemente einer Bewerbung besonders wichtig oder weniger wichtig sind.

TOEFL / IELTS: Der TOEFL oder gelegentlich auch der IELTS können sowohl bei Bachelor- als auch bei Masterbewerbungen von der Hochschule eingefordert werden, damit der Bewerber seine Englischkenntnisse nachweist. Die häufigsten Mindestpunktzahlen liegen zwischen 95 und 110 Punkten, wenn diese erreicht ist, sind der TOEFL oder der IELTS ein „Check and go on“-Eintrag im Kandidatenprofil, d.h. es spielt keine Rolle, ob der Bewerber geringfügig oder deutlich über dem Mindestwert liegt und ein besonderes hoher TOEFL Score von z.B. 118 Punkten ist nett, wertet aber das Bewerbungsprofil nicht positiv auf oder erhöht die Chancen auf Zulassung.

GMAT / GRE: Von diesen Tests bleiben Bewerber von Bachelor-Studienplätzen verschont. Master-, MBA- und PhD-Studenten hingegen müssen fast immer den GMAT (eher bei MBA und Post-Experience Masterstudiengängen) oder den GRE (eher bei PhD-Programmen oder sehr quantitativen Mastern) ablegen. Beim GMAT liegt der Mindestscore oft im Bereich um 600 an guten Hochschulen während die Durchschnittswerte an den Spitzenhochschulen in der Bandbreite um 680 – 730 Punkten liegen. Je stärker das Programm wissenschaftlich ausgerichtet ist, desto wichtiger wird ein extrem hoher Score im GMAT oder GRE Test. An einer Business School dagegen können die Durchschnittswerte ähnlich liegen, jedoch ist die Standardabweichung, d.h. die Streuung sehr viel höher, da weit mehr das Gesamtprofil und die Erfahrung des Kandidaten zählt. Wer 10 Jahre Berufserfahrung hat und einen Posten im Senior Management bekleidet, kommt oft auch mit 600 Punkten im GMAT an eine sehr gute Business School während sich Hochschulen mit starker wissenschaftlicher Orientierung oftmals deutlich stärker am GMAT oder GRE orientierten und eine sehr hohe Punktzahl somit praktisch zur Pflicht wird, da andere Aspekte des Bewerbers weniger zählen. Darüber hinaus verlangen MBA-Programme tendenziell einen gut ausgewogenen GMAT Score, bei Master in Finance Bewerbungen und anderen quantitativen Studiengängen dagegen ist sind der verbale Testteil des GMAT oder des GRE fast egal, da nur der quantitative Abschnitt des Tests wichtig ist.

Noten und Ranking: Bachelor-Bewerber müssen üblicherweise exzellente Abiturnoten mitbringen. An vielen privaten deutschen Hochschulen liegt der Abiturschnitt im Idealfall zwischen 1,0 und 1,5 wobei 1,6 bis 2,0 noch ein Graubereich ist, in dem auch noch einiges möglich ist. Danach wird es jedoch sehr schwer. An ausländischen Spitzenhochschulen wie Oxford oder Cambridge muss der Abiturschnitt hingegen meist schon gezwungenermaßen bei 1,0 oder 1,1 liegen.

Im Fall von Masterstudenten verhält es sich mit den Noten aus dem bisherigen Studium sehr ähnlich wie dem GMAT und dem GRE. Grundsätzlich sollten die Noten im bisherigen Studium exzellent sein, allerdings haben Bewerber an einer Business School meistens deutlich mehr Spielraum und ein Ranking unter den Top 20% oder Top 25% der Studenten des Jahrgangs kann unter Umständen schon ausreichen wenngleich bessere Noten das Profil deutlich aufwerten. In den wissenschaftlichen Studienprogrammen dagegen spielen Noten und Rankings eine weitaus größere Rolle, in den Top-Masterprogrammen sollte das Ranking des Studenten innerhalb seines Jahrgangs in den Top 10% oder noch besser in den Top 5% liegen.

Gutachten: Ebenfalls ein Punkt, der nur die Master-, MBA- und PhD-Bewerber betrifft. Von den Professoren der vorherigen Hochschule werden im Rahmen der Bewerbung Gutachten über den Studenten angefordert. Im Fall von Masterstudenten können auch Gutachten von Kollegen und Vorgesetzten hinzukommen. Hier ist es egal, um welches Studienprogramm es geht, Gutachten stehen immer im Zentrum der Bewerbung und sind eine extrem wichtige Hürde im Bewerbungsprozess. Wer keine Professoren findet, die sich voll hinter ihn stellen und mehr als nur ein paar lobende Worte finden, hat es sehr schwer im Bewerbungsprozess.

Ehrenamtliches Engagement: In wissenschaftlichen Programmen ist ehrenamtliches Engagement von untergeordneter Bedeutung. Business Schools hingegen legen sehr großen Wert auf extracurriculare Aktivitäten ihrer Bewerber und wollen fast immer in irgendeiner Form eine Art soziales oder politisches Engagement des Bewerbers sehen.

Berufserfahrung: Erneut ein Punkt, der bei wissenschaftlichen Programmen keine Rolle spielt, ausgenommen dass der Kandidat erhebliches Spezialistenwissen aus dem Beruf mitbringt, dass z.B. für einen PhD eine besondere Rolle spielen könnte. Hingegen einer der wichtigsten Punkte überhaupt an einer Business School. Bachelor-Bewerber brauchen noch keine Berufserfahrung oder bestenfalls ein Praktikum mitbringen, von Master- und MBA-Studenten hingegen wird ein Mindestmaß an Berufserfahrung erfordert und je umfassender die Berufserfahrung und desto höher der Verantwortungsgrad im bisherigen Berufsleben, desto höher tendenziell die Chance auf Zulassung.

Stipendien und Auszeichnungen: Kein notwendiger Punkt, aber bei allen Hochschulen können Stipendien und Auszeichnungen das Profil des Bewerbers weiter abrunden und aufwerten. Das gilt besonders, wenn die Stipendien und Auszeichnungen für akademische Exzellenz oder besondere Leistungen verliehen worden sind. Sie garantieren alleine aber keine Zulassung, nur weil jemand Stipendiat in einem Förderwerk war, braucht er nicht zu glauben, er würde nun überall ohne Probleme einen Studienplatz bekommen.

Motivationsschreiben / Essays: Sowohl für wissenschaftliche Programmen als auch für praxisorientierte Master- und MBA-Programm an einer Business School einer der zentralen Dreh- und Angelpunkte der Bewerbung, wenngleich das Motivationsschreiben an einer Business School nochmals deutlich wichtiger ist als in einer typischen Forschungshochburg. In seinem Motivationsschreiben bzw. seinen Essays bringt der Bewerber zum Ausdruck, warum er an der jeweiligen Hochschule im jeweiligen Programm studiert und was er damit bezwecken will, damit hinterlässt er praktisch seine persönliche Visitenkarte zusammen mit einer Werbebroschüre über seine Fähigkeiten und Erfahrungen. Wer hier patzt oder ein 08/15-Anschreiben abliefert, kann seiner Bewerbung gleich „Auf Wiedersehen“ sagen.

Interviews: In den Interviews mit dem Bewerber prüft die Hochschule nochmal die Ernsthaftigkeit der Bewerbung und die Motivation des Kandidaten. Sie kommen an Business Schools praktisch immer vor, bei Bewerbungen für wissenschaftliche Programme dagegen so gut wie nie oder zumindest nur selten. Wer die erste Stufe der Bewerbungen übersteht und eingeladen wird, kann hier seinem Profil den letzten Schliff verpassen. Interviews werden oft von Alumni der Hochschule durchgeführt und geben den besten Einblick in die Persönlichkeit des Kandidaten. Gespräche dieser Art dauern meist zwischen 30 und 45 Minuten. Sie beginnen mit einer kurzen gegenseitigen Vorstellung, die dann gefolgt wird von einer Reihe von Fragen zum Werdegang des Bewerbers und seiner zukünftigen Planung. Gelegentlich können auch Fragen zum Fachwissen sowie Allgemeinwissen des Kandidaten hinzukommen, wobei dies tendenziell selten ist.

Abseits von Noten, GMAT und Co. achten praktisch alle Hochschulen bei ihren Bewerbern mit unterschiedlichen Gewichtungen auf die folgenden Punkte, die sich aus dem Gesamtbild der Bewerbung schlüssig ergeben müssen:

Hat sich der Bewerber ernsthaft mit der Hochschule und dem Studienprogramm befasst?
Kennt er alle Details des Studienprogramms und passt das Programm glaubhaft zu seinen Zielen?
Bringt der Bewerber die Fähigkeiten und Eigenschaften mit, die im Studium gefordert sind?
Hat der Bewerber ambitionierte und realistische Ziele für die Zeit nach seinem Studium?
Stellt der Kandidat für die Hochschule und die anderen Studenten eine Bereicherung dar?
Verfügt der Kandidat über ein sehr gutes Allgemeinwissen und ist er nicht nur über gesellschaftliche Entwicklungen informiert sondern übernimmt er auch aktiv Verantwortung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen?
Ist die Erwartung gerechtfertigt, dass der Bewerber das Potential mitbringt, eine herausragende Karriere in Wissenschaft und Forschung oder in der Wirtschaft nach seinem Studium zu starten?
Spiegelt der Kandidat die Ideale und das Selbstverständnis der Hochschule wieder und identifiziert er sich glaubwürdig mit der Hochschule?
Zeichnet sich der Bewerber in besonderem Maße durch Leistung, Eigeninitiative und Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen Mitmenschen aus?

   Die Bewerbungsmappe

Nachfolgend wollen wir systematisch die üblichen Komponenten einer Bewerbungsmappe für einen Studienplatz umreißen und hervorheben, was bei der Erstellung des jeweiligen Dokumentes zu beachten ist. Der Erfolg einer Bewerbung kann damit zwar noch nicht garantiert, aber die Erfolgschancen doch deutlich erhöht werden.

Es sollte beachtet werden, dass die auf diesen Seiten erarbeiteten Ratschläge und Tipps auf subjektiven Erfahrungen und Meinungen des Autors beruhen, es können daher im Fall einer erfolglosen Bewerbung keine Ansprüche gegen Financial Career bzw. den Betreiber der Seite gestellt werden. Da der Autor dieses Artikels sich im Verlauf seines persönlichen Werdegangs erfolgreich für Studienplätze an der Frankfurt School of Finance & Management, der European Business School, der Stockholm School of Economics, der London School of Economics, der London Business School sowie anderer Hochschulen (siehe Details weiter unten) bewerben konnte, stehen die Chancen gut, dass die hier hinterlegten Ratgeber und Mustervorlagen Hand und Fuß haben.

Bei nahezu allen Bewerbungen an einer Business School durchläuft der Bewerber ein zweistufiges Auswahlverfahren. Zunächst werden die Bewerbungsunterlagen erstellt und gesichtet, im Anschluss werden die vielversprechendsten Bewerber zum Interview oder zu einem Assessment Center eingeladen. Auch wenn wir einen Interview-Ratgeber sowie einen Ratgeber zum Thema Assessment Center auf unserer Seite in der Rubrik „Bewerbungstipps“ haben, deren Lektüre wir ebenfalls sehr empfehlen, behandeln wir das Thema Interviews an dieser Stelle separat, da es einige wichtige Unterschiede gibt und die Bewerbung an einer Hochschule eben nur bedingt mit einer beruflichen Bewerbung vergleichbar ist.

Anders dagegen verläuft der Bewerbungsprozess an den Universitäten, die klassische wissenschaftliche Hochburgen sind. Wer sich beispielsweise für ein Masterprogramm an der London School of Economics oder in Cambridge bewirbt, hat nur einen Schuss, mit dem er direkt ins Schwarze treffen muss, denn in Studienprogramme mit einer stärkeren wissenschaftlichen Orientierung zählt in den meisten Fällen nur die Bewerbungsmappe allein. Es gibt keine weiteren Gespräche mit dem Bewerber und die Studienplatzentscheidung wird ausschließlich auf Basis der eingereichten Unterlagen getroffen.

Das erste Ziel des Bewerbers muss folglich darin liegen, eine Bewerbungsmappe einzureichen, die dermaßen überzeugend, klar strukturiert, stringent in ihren Ausführungen und inhaltlich ansprechend ist, dass sich die Auswahlkommission geradezu gezwungen sieht, dem Bewerber eine Einladung zur finalen Auswahlrunde auszusprechen oder ihm direkt einen Studienplatz zuzusagen. Um das zu erreichen, reicht es nicht, sich einfach auf guten Noten auszuruhen. Das haben alle anderen Bewerber auch. Es geht vielmehr darum, einen gewissen Einschlag zu hinterlassen, so dass die jeweils entscheidenden Personen nach dem Lesen der Unterlagen praktisch gezwungenermaßen den Wunsch verspüren, den Bewerber unbedingt persönlich kennen lernen zu wollen. Die jeweiligen Ratgeber zur Erstellung der einzelnen Bewerbungsdokumente auf dieser Seite greifen diesen Aspekt auf.

Eine übliche Bewerbungsmappe für einen Studienplatz an einer Spitzenhochschule besteht im häufigsten Fall aus den folgenden Dokumenten:

Motivationsschreiben (bzw. Essays zu verschiedenen Fragen und Themen)
Tabellarischer Lebenslauf
Gutachten von Hochschulprofessoren oder Vorgesetzten aus dem beruflichen Umfeld

Das Motivationsschreiben ist ein Fließtext, in dem der Bewerber skizziert, warum er sich auf das Programm bewirbt und welche Ziele er mit seinem Studium verfolgen will. Wir beleuchten das Thema Motivationsschreiben separat auf den folgenden Seiten (siehe Untermenü oben).

Jeder Bewerber muss zusätzlich auch seinen Lebenslauf einreichen. Üblicherweise wird stets ein tabellarischer Lebenslauf eingereicht. Ein Ratgeber zur Gestaltung eines gut strukturierten und aussagekräftigen tabellarischen Lebenslaufs findet ihr in unserer Rubrik „Bewerbungstipps“, weswegen wir hier auf das Thema nicht näher eingehen. Lediglich ein Unterschied sollte euch bewusst sein: Wer sich an einer Business School bewirbt, sollte seinen Lebenslauf ähnlich gestalten, wie er ihn auch für eine berufliche Bewerbung verfassen würde, da berufliche Erfolge ein ganz wesentlicher Aspekt in der Studienplatzvergabe sind. Anders dagegen bei eher wissenschaftlichen Programmen, wer sich an der einer Hochschule wie Warwick oder LSE bewirbt, sollte weniger berufliche Aspekte hervorheben sondern vor allem den Fokus im Lebenslauf auf seine akademischen Erfolge und Leistungen legen.

Die Gutachten von Hochschullehrern liegen zwar im Bereich des jeweiligen Professors der sie ausstellt, sehr oft fordern Professoren ihre Studenten aber auf, erst mal selber eine Vorlage zu erstellen, um sich Arbeit zu sparen. Daher ist es für jeden Bewerber wichtig zu wissen, wie ein gutes Gutachten aussehen sollte.

Alle Dokumente bis auf den Lebenslauf (wie gesagt verweisen wir dazu auf die Rubrik „Bewerbungstipps“) beleuchten wir im Detail auf den nachfolgenden Seiten, die über das Menü oben erreichbar sind.

Hinzu kommen selbstverständlich noch Zeugnisse und Notenspiegel (Transcript of Records). Da diese zum Zeitpunkt einer Bewerbung aber feststehen und nicht geändert werden können, betrachten wir nur die Hauptdokumente der Bewerbung, die vom Bewerber zu erstellen sind. Über das Menü oben ist zu jedem Dokument ein Ratgeber mit Musterbeispielen verfügbar. Auf dieser Seite widmen wir uns daher dem eher globalen Blick auf die gesamte Bewerbung und gehen die wichtigsten Aspekte durch, die jede Bewerbung ausmachen muss:

Konsistenz der Dokumente
Demonstration klarer Ziele
Klare Strukturierung aller Dokumente
Fortlaufender Reviewprozess während und nach der Erstellung der Dokumente

   Konsistenz der Dokumente

Die Betonung liegt hier auf dem Plural "Dokumente". Konsistenz ist meistens innerhalb eines einzelnen Dokuments kein größeres Problem, innerhalb einer Bewerbungsmappe aus mehreren Dokumenten gewinnt das Thema jedoch schnell an Brisanz. Konkret ist mit "Konsistenz" hier gemeint, dass alle Unterlagen in der Bewerbungsmappe in sich und untereinander frei von Widersprüchen sind, keine Fragen offen lassen bzw. aufwerfen und aus ihrem jeweils unterschiedlichen Blickwinkel dasselbe Profil des Kandidaten abbilden. Was zunächst intuitiv und einfach klingt, bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Der Bewerber als Person ist ein komplexes Individuum, sowohl die eigene Persönlichkeit wie auch der Werdegang haben zahlreiche Facetten, die man irgendwie alle gerne in der Bewerbung anbringen möchte. Ein Beispiel für Inkonsistenzen, die auf diesem Weg entstehen können, wäre folgender Fall:

Wir erstellen eine Bewerbungsmappe für ein sehr renommiertes MBA-Programm an einer ausländischen Hochschule. Im Motivationsschreiben machen wir glaubhaft klar, dass wir ein großes Interesse daran haben, nach dem Studium in einer international tätigen Bank tätig zu werden. Da wir auch mit anderen Eigenschaften unserer Persönlichkeit überzeugen wollen, schreiben wir nun im weiteren Motivationsschreiben sehr viel über unsere sportlichen Erfolge, womöglich als Landesmeister in Leichtathletik oder ähnliches und über unser Musikhobby und und und ... aber mit keinem einzigen Wort erwähnen wir, wie sich unsere beruflichen Interessen so entwickelt haben, dass wir heute der Zielsetzung nachgehen, die wir im Motivationsschreiben geschildert haben. Zugleich verweist der Lebenslauf lediglich auf die früheren beruflichen Tätigkeiten in der Finanzabteilung in einem Industrieunternehmen, in dem der Bewerber zwar zahlreiche berufliche Kontakte zu verschiedenen Banken hatte, was aber aus dem Lebenslauf nicht hervorgeht, da der Bewerber nur den Namen und des Arbeitgebers und seinen Berufstitel und die Abteilung, aber nicht seine Tätigkeiten und Aufgaben nennt, die er in dieser Funktion hatte.

Dies ist ein klassisches Beispiel für einen starken Bewerber mit schlechter Bewerbungsmappe: Die Dokumente sind inkonsistent, da sie völlig unterschiedliche Themen behandeln und es gibt keine sichtbare Verbindung zwischen ihnen. Alle Dokumente in einer Bewerbungsmappe sollten dagegen stets miteinander an ein oder zwei wesentlichen Punkten miteinander "verlinkt" sein. Während der Lebenslauf ein Abbild der Vergangenheit aus dem Leben des Bewerbers ist, ist das Motivationsschreiben die Projektion der geplanten Zukunft - hier muss es also naturgemäß Verbindungspunkte geben. Der Bewerber hätte dies tun können, indem er in seinem Lebenslauf seine intensiven Kontakte zu Banken hervorhebt und damit einen klaren Bezug zum Motivationsschreiben herstellt. Im zweiten Schritt hätte er dann im Motivationsschreiben auf seinen Lebenslauf verweisen sollen, in dem er erläutert, wie seine Berufstätigkeit das Interesse an seinen neuen beruflichen Zielen geschürt und mitentwickelt hat. Gute Bewerbungsunterlagen sind stets so gestaltet, dass für den Leser das Motivationsschreiben wie eine logische Fortsetzung des Lebenslaufs klingt.

Sind entsprechende Verknüpfungen gegeben, müssen die Unterlagen zudem widerspruchsfrei sein. Widersprüche können bei simplen Fehlern wie sich widersprechenden Zeitangaben beginnen, können aber auch weniger eindeutig sein. Ein anderes Beispiel hierzu wäre folgender Sachverhalt: Ein anderer MBA-Bewerber schreibt in seinem Motivationsschreiben, dass er bereits seit Jahren von einer Karriere als Fondsmanager träumt und über das MBA-Studium zu einem großen Asset Manager gelangen will. Der Lebenslauf zeigt keine Hinweise, dass der Bewerber Interesse an Finanzinvestitionen hat, stattdessen zeigt der Bewerber im Lebenslauf ausführlich seine früheren Tätigkeiten als Mitglied einer studentischen Unternehmensberatung auf und verzeichnet eine Reihe von nebenberuflichen Fortbildungen im Bereich des Prozessmanagements und der Projektplanung. Hier herrscht ein klarer Widerspruch zwischen den Dokumenten, denn was der Bewerber angeblich laut seinem Motivationsschreiben zu erreichen versucht, deckt sich nicht im geringsten mit seinen bisherigen Anstrengungen, die offenbar in die Richtung einer Unternehmensberatung führen. Derartige Widersprüche führen bei der Auswahlkommission der Hochschule sofort zu dem Eindruck, dass Bewerber klare berufliche Ziele nur vorzutäuschen versucht in Wahrheit keinen Plan davon hat, was er eigentlich will. Derartige Ziellosigkeit bzw. berufliche Desorientierung, die sich anhand von klaren Widersprüchen in den Bewerbungsunterlagen ausdrückt, führt oftmals zum sofortigen Aus für den Bewerber.

   Demonstration klarer Ziele

Die erkennbare Zielstrebigkeit des Bewerbers ist ein weiteres sehr wichtiges Kriterium, das in allen Dokumenten einer Bewerbungsmappe erkennbar sein muss. Sehr gute Noten alleine machen dabei noch keine Zielstrebigkeit aus, dazu gehört mehr. Ein konkretes Beispiel für Bewerber von Masterprogrammen: Bewerber die sich beispielsweise auf ein Studium in Harvard oder Wharton bewerben, können nicht als einzige Begründung anführen, dass sie vom guten Ruf der Hochschule angezogen werden. Wenn es nur danach geht, gibt es recht viele Leute, die dort studieren möchten. Die Frage nach dem "Warum?" muss stets mit Substanz beantwortet werden. Hier kommen die Ziele des Kandidaten ins Spiel. Wer in der Lage ist, seine akademischen und beruflichen Ziele klar strukturiert und konkret zu artikulieren und dies mit dem Studienangebot der Zielhochschule so verknüpft, dass klar erkennbar wird, wieso und mit welchen Mitteln das angestrebte Studium dem Bewerber im Erreichen seiner langfristigen Ziele hilft, erhöht seine Chancen über die erste Runde des Bewerbungsverfahrens hinauszukommen dramatisch. Dies ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Studienplätze erstens nicht nur begrenzt und stark umworben sind, sondern dass zweitens Hochschulen gezielt Studenten anwerben wollen, deren spätere Karriere erwarten lässt, dass sie die gute Reputation der Hochschule bestätigen und weiter unterstützen. Ein derartiger zukünftiger Erfolg der Studenten ist weitaus wahrscheinlicher, wenn diese klare und glaubhafte Ziele haben, ganz im Gegensatz zu Studenten, die kaum mehr eine fixe Idee anstatt einen strukturierten Plan vorweisen können und vor allem durch ein starkes Statusdenken („Ich will nach Harvard weil jeder weiß wie großartig die Hochschule ist“) negativ auffallen.

Klare Zielsetzungen müssen aber nicht nur im Motivationsschreiben bzw. den Essays ersichtlich sein. Die Fähigkeit, klare Ziele zu setzen und diese strukturiert zu erarbeiten, muss aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bewerbers erkennbar sein. Alle drei behandelten Dokumente, der Lebenslauf, das Motivationsschreiben und die einzuholenden Professorengutachten müssen diesen Aspekt daher erfassen und aus Sicht der Auswahlkommission bestätigen.

Zielfokussierung geht dabei auch über rein akademische und berufliche Leistungen hinaus. Vielmehr sollte der Bewerber demonstrieren können, dass er nicht nur rein beruflich fixiert ist, sondern auch in anderen Lebensbereichen (z.B. ehrenamtliche Tätigkeiten, eigene Projekte) ein hohes Maß an Zielorientierung bewiesen hat.

Abschließend sollte jeder Bewerber in all seinen Unterlagen darauf achten, dass die ihm genannten Ziele nicht einfach so vom Himmel fallen. Lebenslauf und Motivationsschreiben sollte auch stets den Entscheidungsprozess des Bewerbers umreißen, die zum jeweiligen Ziel geführt haben. Dazu gehören insbesondere folgende Fragen: Welche persönlichen Entwicklungen haben den Bewerber beeinflusst, so dass er sich das Ziel gesetzt hat? Welche alternativen Optionen standen zur Verfügung im Entscheidungsprozess? Wie hat der Bewerber seine Entscheidungen getroffen?

Bewerbungen, die diese Anforderungen meistern, geben fast schon automatisch ein sehr strukturiertes und klares Bild eines zielorientierten Bewerbers ab, der sich selber ambitionierte Ziele setzt und an ihnen strukturiert arbeitet, bis er sie erreicht. Die nachfolgenden Seiten zu den einzelnen Dokumenten einer Bewerbungsmappe liefern eine Reihe von Beispielen, die zeigen, was gute von schlechten Texten unterscheidet.

   Klare Strukturierung der Dokumente

Ein weiteres Merkmal aller guten Bewerbungen ist die klare Strukturierung aller Dokumente. Auch dies ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, erfordert aber dennoch Mühe, die nicht jeder Bewerber gleichermaßen investiert. Struktur bedeutet hier ganz einfach nur, dass der Bewerber die Inhalte in einem Motivationsschreiben oder Lebenslauf nach einer bestimmten Logik (die nicht zwingend chronologischer Natur sein muss) ordnet, die es dem Leser leicht machen, den Inhalt des Dokuments zu erfassen und daraus eine Aussage über die Qualitäten des Kandidaten abzuleiten.

Ein einfaches Beispiel: Ein Bewerber hat in der Vergangenheit zwei längere Fortbildungen gleichzeitig besucht. Dies schildert er in seinem Motivationsschreiben in chronologischer Reihenfolge mit dem Effekt, dass er ständig zwischen den Ereignissen innerhalb der parallel stattfindenden Fortbildungen hin- und herspringt. Dies ist ein ausgesprochen schlechter Stil, verwirrt den Leser und verhindert, dass kausale Zusammenhänge gut zu erkennen sind. Deutlich besser sind hier z.B. sachbezogene Abschnitte, in denen der Bewerber die chronologische Reihenfolge ignoriert und dafür jede seiner Fortbildungen in einem in sich geschlossenen Abschnitt erläutert.

Die Ausführungen zur Struktur eines Dokuments sind an dieser Stelle bewusst kurz gehalten, da wir uns dem Thema in der Tiefe auf den nachfolgenden Seiten widmen und beleuchten, wie eine gute Struktur jeweils für ein Motivationsschreiben oder ein Gutachten aussieht.

   Fortlaufender Reviewprozess

Der Gedanke wäre einfach zu schön: Nachdem klar ist, wie der Lebenslauf aufgebaut wird und wie das Motivationsschreiben aussehen soll, nehmen wir uns einen ruhigen Sonntag, machen uns eine Tasse Kaffee und schreiben die Bewerbung, um sie am nächsten Montagmorgen dann endlich in den Briefkasten werfen zu können. Bedauerlicherweise ist das einer der schnellsten Wege, um sich sofort ins Abseits zu schießen.

Der Grund dafür ist einfach: Die meisten Menschen sind ziemlich schlecht darin, qualitativ sehr hochwertige und komplexe Texte direkt in einem Durchgang zu schreiben und dabei ein perfektes Ergebnis zu erreichen. Jeder, der seine Studienplatzbewerbung ernst nimmt, sollte akzeptieren, dass die ersten zwei oder drei Entwürfe für die Mülltonne sind. Daher sollte jeder, nachdem der erste Entwurf verfasst wurde, ein paar Tage warten und dann nochmal nüchtern und neutral über das Dokument lesen. Sehr häufig entdeckt man selbst beim dritten oder vierten Durchgang immer noch wichtige Punkte, die geändert werden sollten, Details die vergessen wurden, Textpassagen, die nicht eindeutig sind usw... Die Liste möglicher Makel, die die Qualität einer Bewerbung beeinträchtigen, ist fast grenzenlos und erfahrungsgemäß sollte man zwischen vier bis sechs Schleifen über ein Dokument drehen, bis es wirklich "fertig" ist.

Ein solch intensiver Reviewprozess mag extrem klingen, allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass es bei den meisten Studienplatzbewerbungen oftmals um das „Große Ganze“ im Leben geht, denn der Sprung an eine Spitzenhochschule kann den weiteren Lebensweg in unglaublichem Maße prägen und beeinflussen. Entsprechend verdient eine ernst gemeinte Bewerbung an einer sehr guten Hochschule weit mehr Aufmerksamkeit als viele vergleichbare Dokumente in anderen Fällen.

Vor diesem Hintergrund sollte eine Bewerbung so geplant werden, dass bis zur Bewerbungsfrist mindestens drei bis vier Wochen verbleiben, um genügend Zeit zu haben, zwischen jeder Überarbeitung ein paar Tage verstreichen zu lassen, ehe die Arbeit weitergeht. Somit ist auch gewährleistet, dass gegen Ende ohne jeden Zeitdruck die Bewerbung finalisiert und abgeschickt werden kann.

*: Der Autor des Artikels hat sich während seines Werdegangs an folgenden Hochschulen beworben und nachstehende Ergebnisse erzielt:
Hochschule Programm / Jahr Ausgang der Bewerbung
London School of Economics Master in Accounting & Finance / 2012 Angenommen
Cambridge MPhil in Finance / 2013 Angenommen
London Business School Master in Finance / 2012 Angenommen
Stockholm School of Economics Master in Finance / 2012 Angenommen
Cass Business School Master in Finance / 2012 Angenommen
IE Business School Madrid Master in Advanced Finance / 2012 Angenommen
European Business School Oestrich-Winkel Master in Finance / 2012 Angenommen
Universität St.Gallen Master in Banking & Finance / 2012 Angenommen
Frankfurt School of Finance & Management Bachelor in Business Administration / 2008 Angenommen
Cambridge MPhil in Finance / 2012 Abgelehnt
London School of Economics Master in Finance / 2012 Abgelehnt
HEC Paris Master in International Finance / 2012 Abgelehnt
Warwick Business School Master in Finance / 2012 Abgelehnt

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