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Nach der allgemeinen Einführung widmen wir uns nun konkret dem ersten Dokument der Bewerbungsmappe, dem Motivationsschreiben. Das Motivationsschreiben wird nicht in jeder Bewerbung verlangt, da mit ihm fest verknüpft die Darstellung des Studienvorhabens ist. Aus diesem Grund beinhalten Bewerbungen für dauerhaftes Studienstipendium bei einem Begabtenförderwerk wie der Studienstiftung oder Friedrich-Naumann-Stiftung normalerweise kein vollständiges Motivationsschreiben, da sich der Kandidat bereits im Studium befindet oder dieses nach dem Abitur gerade unmittelbar aufnimmt.

Für praktisch alle Stipendien, die entweder direkt auf ein bestimmtes Programm an einer Hochschule zugeschnitten sind oder aber einen bestimmten Förderzweck haben, so z.B. die Förderung eines Masters oder einer Promotion im Ausland, ist das Motivationsschreiben jedoch eines das zentrale Dokument der Bewerbung überhaupt.

Der Grund ist simpel: Das Motivationsschreiben ist der "Pitch" des Kandidaten, sozusagen seine Werbe- und Imagebroschüre, die der Stiftung erklärt, warum die meist knapp bemessenen Geldmittel ausgerechnet in ihn investiert werden sollen. Der Begriff "Investition" ist hier besonders wichtig. Jede Institution, die Stipendien vergibt, tut das nicht zum Vergnügen. Die Stiftungen folgen einer Satzung, die ihnen vorschreibt, wie sie die Erträge des von ihnen verwalteten Vermögens zu verwenden haben. Das bedeutet, jedes Stipendium, das vergeben wird, ist eine Investitionsentscheidung der Stiftung, die den Zweck hat, die satzungsgemäßen Ziele der Stiftung zu erfüllen. Das ist der erste zentrale Dreh- und Angelpunkt für jeden Bewerber, denn wer sich auf ein Stipendium bewirbt, ohne die Zielsetzung der Stiftung verstanden zu haben, steht bereits auf verlorenem Boden. Wie soll eine gelungene Bewerbung aussehen, wenn nicht klar ist, was das Ziel der Stiftung ist und man entsprechend in seiner Bewerbung nicht erklären kann, warum man diesen Zielen als Bewerber in überragendem Maße gerecht wird? Eine solche Bewerbung ist im übertragenen Sinne der Versuch eines Autoverkäufers seinem Kunden das nächstbeste Auto vom Hof zu verkaufen ohne überhaupt zu fragen, wonach der Kunde sucht und was seine Bedürfnisse sind: : Es ist der Schuss ins Blaue mit der Hoffnung, allein durch puren Zufall das Ziel zu treffen.

Haben wir uns vergegenwärtig, wen die Stiftung fördern möchte, warum sie das tut und welche Kriterien sie anlegt - Informationen hierzu sind bei allen großen Stiftungen auf deren Webseiten oft reichlich vorhanden - können wir am grundlegenden Entwurf unseres Motivationsschreibens arbeiten. Jedes erfolgreiche Motivationsschreiben sollte dabei einer ansprechenden und klar gegliederten Struktur folgen. Ohne dass "Die Universallösung" gibt, haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass ein herausragendes Motivationsschreiben stets die folgenden Kriterien erfüllt:

[1] Das Schreiben beginnt mit einem Deckblatt
[2] Es ist sauber formatiert und ansprechend gestaltet
[3] Eine kurze Einleitung eröffnet das Dokument, gefolgt von einer klar gegliederten Struktur
[4] Es werden auf allgemeine, schwammige Phrasen verzichtet, das Schreiben besticht dagegen durch harte Fakten und klare Zielsetzungen
[5] Die Wortwahl ist ansprechend und eloquent aber nicht übertrieben
[6] Das gesamte Motivationsschreiben ohne Deckblatt macht maximal drei Seiten aus, alle Formulierungen sind kurz, klar und prägnant
[7] Bei leistungsbezogenen Stipendien: Der Bewerber demonstriert nicht nur Zielorientierung, sondern schildert hoch gesteckte und anspruchsvolle Ziele
[8] Sprache und Auftreten des Bewerbers in den Unterlagen decken sich mit der Stiftungskultur und den Erwartungen an den Bewerber

Beispiele für Motivationsschreiben, die bei hoch dotierten Stipendienprogrammen nachweisbar erfolgreich waren, können in der Übersicht rechts heruntergeladen werden. Wir empfehlen jedoch dringend, erst diese Seite zu Ende zu lesen, zu verstehen, was ein gutes Motivationsschreiben ausmacht und dann beim Lesen der Beispiele darauf zu achten, wo und wie die jeweils hier genannten Kriterien angewendet wurden.

Nachfolgend erläutern wir die oben aufgeführten acht Kriterien im Detail:

  Das Deckblatt

Das Deckblatt ist kurz abgehandelt, es dient lediglich der ansprechenden und sauberen Gestaltung des Dokuments und ist für den Leser der Bewerbungsunterlagen eine angenehme Hilfe, da er normalerweise die Unterlagen des Bewerbers komplett auf einen Stapel erhält und beim Durchblättern durch das Deckblatt das jeweilige Dokument schnell zur Hand hat.

Auf dem Deckblatt werden lediglich in drei nacheinander folgenden, zentrierten Zeilen folgende Informationen festgehalten:

Titel: "Motivationsschreiben" oder "Darstellung des Studienvorhabens"
Name des Bewerbers
Monat und Jahr der Erstellung des Dokuments

Zur optisch ansprechenden Formatierung empfiehlt sich für das Deckblatt eine Schriftart mit Serifen (z.B. Cambria oder Times New Roman). Als Schriftart kann ein dunkles Grau verwendet werden, damit der Kontrast des Deckblatts angesichts der eher großen Schriftgröße nicht zu stark ausfällt.

  Formatierung und Gestaltung

Für die Formatierung des Dokuments sollte ein Standard DIN A4 Dokument verwendet werden, Seitenränder jeweils 2,5cm bzw. 2cm für den unteren Rand. Die Schriftart für den Fließtext ist serifenfrei oder enthält Serifen, die nicht übertrieben ausgeprägt sind. Geeignete Schriftarten sind daher: Arial, Calibri, Tahoma, Verdana, Cambria oder Times New Roman.

Die Schriftfarbe ist schwarz, als Schriftgröße wird 11 oder 12 Punkte verwendet. Für den Zeilenabstand reicht ein einfacher Abstand aus. Der Text selbst wird als Blocktext formatiert. Der Kopf der ersten Seite kann analog einem Brief formatiert werden und enthält oben rechts das genaue Datum, die Adresse des Bewerbers. Eine zusätzliche, genauere Überschrift nach der Adresse und vor der Einleitung kann verwendet werden wie z.B. "Darstellung des Studienvorhabens in Australien - August 2010 bis Juli 2012".

Der Kopf des Dokuments beinhaltet den Dokumententitel, z.B. "Motivationsschreiben" oder "Motivationsschreiben und Darstellung des Studienvorhabens" und ist entweder links verankert oder zentriert. Der Fuß des Dokuments ist zentriert und enthält nochmals Name und Adresse des Bewerbers.

  Einleitung und Struktur

Jetzt kommen wir zum Kern des Dokuments und dem eigentlichen Grund, warum ihr gerade diesen Artikel lest: Was soll denn nun genau im Dokument drin stehen? Wir halten nochmal fest, dass das Motivationsschreiben auf die Zielsetzung der Stiftung sowie das Stipendienprogramm selbst abgestimmt sein muss. Daher ist es an dieser Stelle leider nicht möglich, eine "One size fits all"-Anleitung zu geben, die jedem noch so speziellen Stipendium gerecht wird. Wir konzentrieren uns daher ab jetzt auf den wohl mit Abstand häufigsten Fall, der Förderung eines Studienprogramms im In- oder Ausland durch ein bestimmtes Stipendium wie z.B. ein DAAD-Stipendien oder das Haniel-Stipendienprogramm der Studienstiftung. Die hier gewonnenen Erkenntnisse dürften sich jedoch von euch recht leicht auf jedes andere Stipendienprogramm gut übertragen lassen.

Generell lässt sich die Struktur eines guten Motivationsschreibens mit den folgenden Punkten gut umreißen:

Nennung des Studienvorhabens und der selbst definierten Anforderungen an das Studium
Kurze Beschreibung in diesem Kontext der beruflichen Ziele nach dem Studium
Erläuterung: Wie schließt das geplante Studium an den bisherigen Werdegang an?
Überleitung von den genannten Kriterien und Zielen zu den geeigneten Hochschulen & Programmen
Priorisierung der Hochschulen und Programme, ausführliche Erläuterung der ersten Priorität
Nennung von Kursen, deren Belegung geplant ist und im Idealfall auch einzelner Professoren
Begründung, warum die anderen genannten Hochschulen adäquate Alternativen sind
Wenn anwendbar: Untermauerung der Aussagen mit Akkreditierungen und Rankings
Überleitung, warum das gewählte Studium der Verwirklichung der beruflichen Ziele dient
Optional: Zusätzliche persönliche Motivation oder private Ziele während der Studienzeit
Abschließende Konklusion: Studium, Ziele und Stipendium passen stimmig zusammen
Stets zu beachten: Das Motivationsschreiben ist zukunftsgerichtet, die eigene Vergangenheit gehört in den CV!

Das Motivationsschreiben beginnt mit einer kurzen Einleitung und der Anrede des Adressaten in der Form "Sehr geehrte Damen und Herren," oder im Idealfall, wenn der Ansprechpartner genau bekannt ist, persönlich mit "Sehr geehrte(r) Herr / Frau xyz...". Die Einleitung ist ein kurzer Absatz, der nachfolgend das Studienziel benennt und kurz erläutert, was mit dem Erreichen des Studienziels bezweckt wird. Konkret ein gutes und ein schlechtes Beispiel:

"Ich bewerbe mich hiermit auf das ABC-Stipendienprogramm um die Finanzierung meines Masters in Accounting & Finance an der London School of Economics zu realisieren. Der nachfolgende Studienplan konzentriert sich dabei insbesondere auf die Belegung einer Reihe von Accounting-Modulen, die ich für meinen weiteren Werdegang als sehr wichtig erachte."

Das ist zwar kurz und bündig, sagt uns aber - ganz genau - so gut wie gar nichts. Wir wissen, dass der Bewerber an der LSE studieren möchte. Schön, das wollen ein paar Tausend andere Menschen auch. Dass die Accounting-Module für den Bewerber besonders wichtig im Programm sind, wissen wir jetzt auch, nur das "Warum" bleibt uns verborgen. Wir werden es wohl später im Text noch erfahren, aber unglaublich neugierig sind wir gerade nicht geworden. Als Mitglied der Auswahlkommission lesen wir solche 08/15-Ausführungen jeden Tag.

Besser dagegen ist folgender Ansatz:

"Der im Folgenden dargestellte Studienplan setzt an meinem bisherigen, im beiliegenden Lebenslauf aufgeführten, Werdegang unmittelbar an und dient der konsequenten Fortsetzung meiner akademischen Laufbahn mit dem Ziel, meine fachliche Qualifikation zum Spezialisten der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finance abzuschließen. Das Vorhaben steht dabei im Lichte, mittel- bis langfristig eine Fachposition mit Führungsverantwortung im Handels- oder Fondsmanagementbereich einer international tätigen Großbank bzw. eines international tätigen Asset Managers anzustreben."

Dieser Abschnitt ist nur unwesentlich länger als der Absatz oben, sagt aber viel mehr über den Bewerber aus. Wir wissen zwar noch nicht, wo er studieren will (was Sinn macht, wie wir später sehen werden), wir erfahren jedoch recht viel: Offenbar passt sein Studienvorhaben genau zu seinem bisherigen Studium bzw. seiner bisherigen Tätigkeit (was ein dezenter Verweis auf seinen Lebenslauf ist), er benennt sein Qualifikationsziel recht klar (Schwerpunkt Finance) und was viel wichtiger ist, er sagt uns, warum er dieses Ziel verfolgt: Er möchte in der Finanzindustrie arbeiten und benennt klar die Banken und Asset Manager als Ziel - wir wissen somit, "wo" er arbeiten möchte - und wir erfahren darüber hinaus seine Entwicklungsziele (Spezialistenrolle mit zusätzlicher Übernahme von Führungsverantwortung), d.h. "wie" er arbeiten möchte.

Auch wenn die Einleitung nur der Auftakt ist, ihre Bedeutung sollte wie auch bei einem Bewerbungsschreiben nicht unterschätzt werden. Der erste Eindruck in den ersten Sekunden ist entscheidend. Menschen reagieren intuitiv immer wieder subjektiv und emotional, ganz gleich, wie sehr sie sich bemühen objektiv zu sein. Wenn unsere ersten Sätze langweilig, allgemein oder uninteressant klingen, verspürt der Leser schon jetzt ein flaues Gefühl, "sich durch den Rest hindurchzuquälen", was einen negativen Schatten auf das gesamte folgende Dokument vorauswirft. Ein zielorientierter Auftakt, der dagegen als "Appetizer" dient und zeigt, wohin die Reise in ferner Zukunft mit dem Stipendienprogramm gehen könnte ohne Details zu verraten, während jedoch sofort klar wird, dass der Bewerber nicht nur an sein Studium sondern bereits viel weiter denkt, kann hingegen die Vorfreude des Lesers auf den Rest des Motivationsschreibens wecken, was den weiteren Text bereits in ein positives Licht rückt noch ehe er gelesen wurde.

Das nun weiter folgende Motivationsschreiben geht die folgenden Schritte: Wir erwähnen zunächst auch weiterhin nicht, wo wir studieren wollen und wir benennen auch noch kein Studienprogramm. Das klingt möglicherweise verwirrend, ist aber zielführend. Jedes Jahr gehen Hunderte von Motivationsschreiben bei Stiftungen ein, die stets mit den Sätzen "Ich möchte in Oxford / Cambridge / Harvard ..." studieren und oft in erster Linie die Befürchtungen der Auswahlkommission wecken, dass sich der Bewerber von den großen Namen der Hochschulen, d.h. ihrem "Brand Name" sowie ihrer Reputation blenden lässt und es ihm nur darum geht, den Namen "Oxford" in seinem Lebenslauf zu tragen anstatt zu hinterfragen, ob und wie ihm die Programme dort überhaupt nutzen. Ein Stipendium wird nicht verliehen, damit der Bewerber seinen Lebenslauf optimieren kann, es geht stattdessen darum, dass der Bewerber mit Hilfe des Stipendiums gewisse Entwicklungsziele in seinem Leben erreicht und bestimmte Erfahrungen sammelt. Daher sollten genau diese Kriterien auch den Auftakt des Motivationsschreibens bilden und eben nicht der Name der Hochschule.

Aus diesem Grund führen wir nun zunächst im Detail aus, welche Ziele wir verfolgen. Die Ziele können dabei aus den folgenden Kategorien stammen, wobei die Aufzählung natürlich nicht vollständig ist und beliebige weitere Kriterien hinzugefügt werden können:

Fachliche Spezialisierung bzw. Belegung bestimmter Vorlesungen
Anforderungen an die Hochschule (Professoren, Rankings, Akkreditierungen, Reputation etc...) Sammeln von internationaler bzw. interkultureller Erfahrung
Entwicklung eines besseren Verständnisses für Kultur und Gesellschaft des Gastlandes
Weiterentwicklung der Sprachkenntnisse
Unterstützung bezüglich beruflicher Zielsetzungen
Qualifizierung für anschließende Studienprogramme (z.B. PhD)
Realisierung bestimmter Projekte oder Vorhaben, die nicht zwingend hochschulbezogen sind

Nachdem wir nun ausführlich geschildert haben (ca. eine halbe Seite), in welche Richtung wir gehen möchten und was wir mit dem Studium bezwecken, können wir jetzt endlich die Katze aus dem Sack lassen und benennen zuerst, welcher Typ von Studienprogramm (Master in Finance, MBA, Master in Economics, PhD...) diesen Zielen am besten gerecht wird und für welches Land (im Fall eines Auslandsstudiums) wir uns entschieden haben. Mit diesem "Top-Down" Ansatz können wir uns abschließend nun zu den in Frage kommenden Hochschulen vorkämpfen. Denn wir unser Zielland und unser Wunschprogramm genau benannt haben, ist es relativ leicht zu argumentieren, warum die ein oder andere Hochschule in die nähere Auswahl Betracht kommt. Ganz beiläufig haben wir uns damit übrigens jedweden Verdachts entledigt, wir könnten einer Hochschule nur ihres Namens wegen hinterherrennen, da jetzt offenkundig wird, dass die Wahl der Hochschule eindeutig die Schlussfolgerung aus einem kriteriengestütztem Entscheidungsprozess ist.

Bis zu diesem Punkt haben wir schätzungsweise die erste Seite des Motivationsschreibens hinter uns gebracht und sind mit dem schwierigsten Teil bereits fast über den Berg, da wir klar gemacht haben, was wir wollen. Im nächsten Schritt nennen wir nun unsere Zielhochschule respektive eine Liste aller in Frage kommender Hochschulen. Viele Stipendien erlauben explizit die Nennung mehrerer Hochschulen, da den Stiftungen selbst bekannt ist, dass die Bewerbung auf eine einzelne renommierte Hochschule selbst für Spitzenbewerber eine riskante Wette ist und daher mehrere Bewerbungen absolut Sinn ergeben.

Wenn wir mehrere Hochschulen nennen, priorisieren wir unsere Ziele klar und widmen der erstgenannten Hochschule einen ausführlichen Bericht von ca. einer halben oder dreiviertel Seite und beschreiben, warum es diese Universität werden soll. Wir untermauern dabei die Zielsetzung stets mit harten Fakten, d.h. Akkreditierungen, Rankingergebnisse, öffentliche Berichterstattung oder Informationen über angebotene Vorlesungen. Der letzte Punkt ist von zentraler Bedeutung. Ein gutes Motivationsschreiben zeigt auf, welche Kurse der Bewerber belegen möchte und benennt im Idealfall auch die Professoren, die den Kurs geben (nicht bei allen Kursen, nur wenn ein ausgewiesener Experte den Kurs lehrt), da dies in beeindruckendem Maße zeigt, dass man sich mit seinem Wunschprogramm bereits sehr intensiv und ernsthaft auseinandergesetzt hat.

Nachfolgend erwähnen wir mit ein paar kurzen Sätzen die Auswahl unserer Alternativen. Es ist weder nötig noch zielführend für jede der weiteren Hochschulen nochmals im Detail alle Qualitäten und Vorzüge zu nennen. Eine sehr kurze Auswahl weniger harter Fakten (z.B. ebenfalls wichtige Akkreditierungen vorhanden) reicht völlig aus mit einem anschließenden Hinweis, das durch Recherche der Programmdatenbank (oder noch besser: Durch Gespräche mit Studenten und Vertretern der Hochschule) sichergestellt wurde, dass die Programminhalte und Möglichkeiten an den alternativ genannten Hochschulen ebenfalls geeignet sind, die gesteckten Ziele zu verwirklichen.

Spätestens jetzt steht unser Motivationsschreiben bereits zu 90% und wir dürften gute zwei Seiten voll haben. Wir können uns nun entscheiden, zügig zum Schluss zu kommen oder aber auf weitere Vorhaben des Studiums einzugehen. Dies kann entweder ein geplantes Praktikum sein, dass in einem sinnvollen Zusammenhang mit dem Studium und den zukünftigen beruflichen Zielen steht oder aber ein sonstiges Projekt, beispielsweise die Gründung einer studentischen Initiative, eines eigenen Unternehmenes oder ähnliches. Je nachdem wie zeitaufwendig eigene Vorhaben sind, sollte man jedoch realistisch ausführen, warum das geplante Studium unter den eventuellen Zusatzaktivitäten nicht leiden wird und wie man den erhöhten Workload bewältigen will.

Abschließend kann das gesamte Studienvorhaben nochmal zusammengefasst und in den Kontext zu den eigenen Zielen gesetzt werden, d.h. ähnlich wie in einem Essay wiederholt der Abschluss des Motivationsschreibens im Wesentlich nochmal die Zusammenfassungen in der Einleitung und führt damit alle Fäden inhaltlich wieder zusammen und betont nochmal die Konsistenz und Logik hinter dem Studienvorhaben. Darüber hinaus kann und sollte der Bewerber durchaus seine sonstigen Motivationen und Beweggründe erörtern, soweit diese außerhalb des akademischen und beruflichen Umfeldes liegen. Bewerbungen, die einzig und allein das Ziel haben, die Karriere des Bewerbers voranzutreiben während es offenkundig ist, dass für ihn offenbar auch nichts zählt außer dem eigenen beruflichen Erfolg, haben oft geringe Chancen, da die Kandidaten zu engstirnig erscheinen. Es ist daher angebracht, zusätzlich eine bestimmte intrinsische Motivation bezüglich dem Wert der geförderten Ausbildung zum Ausdruck zu bringen oder auf die Wertschätzung der ideellen Bedeutung des Stipendiums einzugehen. Alles in allem sollte ein gutes Motivationsschreiben zum Schluss nochmal deutlich machen, dass man befähigt ist, über den Tellerrand zu schauen und das Stipendium mehr als nur eine Politur des eigenen Lebenslaufs ist.

Abschließend endet das Motivationsschreiben wie ein Bewerbungsschreiben mit einer kurzen Abschlusszeile, die die Vorfreude auf ein persönliches Gespräch (nur wenn dies Bestandteil des Bewerbungsverfahrens ist!) zum Ausdruck bringt und wird persönlich unterschrieben (außer bei reinen Online-Bewerbungen).

   Wortwahl, Textlänge und Auftreten

Zum Schluss wollen wir die verbleibenden Punkte zusammenfassen und näher erläutern. Aus der inhaltlichen Strukturierung des Motivationsschreibens ging bereits hervor, dass der Kandidat eine klare und ausgeprägte Zielorientierung zeigt und sein Text nicht einen Bewerber vermuten lässt, der irgendwann mal vielleicht irgendwas aus irgendeinen Grund machen will, sich aber selber doch noch nicht so ganz sicher ist. Die Zielsetzung muss klar sein und je mehr harte, also überprüfbare und sauber recherchierte, Fakten im Schreiben genannt sind, desto besser für den Bewerber.

Zielorientierung und Struktur allein machen aber noch kein gutes Motivationsschreiben aus. Auch die Wortwahl im Dokument und die Art und Weise, wie Inhalte formuliert werden ist wichtig. Diesbezüglich gelten zwei einfache Regeln. Erstens sollte die Wortwahl seriös und eloquent sein. Das Motivationsschreiben wird verfasst von einem Studenten, der vorgibt, zur Leistungsspitze des akademischen Nachwuchses zu gehören und ambitionierte Ziele hat. Von ihm verfasste Dokumente sollten dementsprechend wirken. Vorsicht ist geboten bei überspitzten Formulierungen, die künstlich und steif klingen sowie der übertriebenen Nutzung von Fachbegriffen. Unterlagen sollten stets adressatengerecht und die Auswahlkommission besteht im Zweifelsfall nicht ausschließlich aus Spezialisten für Ökonometrie oder Quantitative Finance. Daher sollten Fachbegriffe nur dann verwendet werden, wenn sie entweder unerlässlich zur Beschreibung eines Sachverhalts sind oder aber erwartet werden kann, dass diese allgemein bekannt sind.

Zweitens sollten die Texte im Dokument kurz, bündig und knapp geschrieben werden. Extrem verschachtelte Satzkonstruktionen sind zu vermeiden, stattdessen sind verhältnismäßig kurze Sätze zu wählen, die den jeweiligen Sachverhalt auf den Punkt bringen. Entsprechend sollte das Motivationsschreiben auch nicht zu lang werden, da es sonst schnell ermüdend wird beim Lesen und zudem beachtet werden muss, dass die Auswahlkommission auch noch andere Dokumente (Lebenslauf, Gutachten etc...) lesen muss. Entsprechend wächst der Umfang der Bewerbung schnell inflationär an, wenn sich der Bewerber nicht kurz fassen kann, was bei der Auswahlkommission definitiv nicht gut ankommen wird.

Abschließend sollte jeder Bewerber überlegen, wie er gegenüber der Auswahlkommission auftreten will. Hier geht es weniger darum, das Motivationsschreiben auf den Anspruch der Stiftung und ihre Zielsetzung zuzuschneiden, sondern mehr auf ihre Kultur. Dies ist besonders ein wichtiger Punkt bei der Vergabe von hochschuleigenen Stipendien durch die Universität selbst. Diesbezüglich ein einfaches Beispiel: Angenommen, es steht die Frage im Raum, warum der Bewerber ein leistungsbezogenes Stipendium erhalten soll. Er bewirbt sich einmal auf das hochschuleigene Stipendienprogramm der Business School und einmal auf eine Stiftung, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Sollten beide Dokumente im gleichen Tonfall formuliert werden? Mitnichten, ein besonders forsches und selbstbewusstes Auftreten ist sicher das, was die Business School von ihren Kandidaten erwartet, wer es jedoch stark übertreibt und sich mit entsprechendem Tonfall bei einer gemeinnützigen Stiftung bewirbt, läuft Gefahr, sich dort den Kopf einzurennen, während er woanders mit offenen Armen empfangen wird. Daher sollte sich jeder Bewerber zunächst Gedanken, wie er in seiner schriftlichen Bewerbung auftreten möchte und auch kritisch prüfen, ob der jeweils gewählte Ansatz zur wahren Persönlichkeit des Bewerbers passt, denn dieser Aspekt wird spätestens in den Interviews auf den Prüfstand gestellt.

   Reviewprozess

Sowie das fertige Motivationsschreiben steht, sollte es einen Reviewprozess über ein oder zwei Wochen durchlaufen. Insbesondere beim Motivationsschreiben, dessen Erstellung oft noch einen Tick schwerer ist als die des ausführlichen Lebenslaufs, kommt es darauf an, dass das Gesamtdokument stimmig und überzeugend ist. Wer ein paar Tage später sein Werk nochmal durchliest, wird einige Punkte finden, die er gerne ändern wird. Die ersten Entwürfe sind meist ungeeignet zum Absenden, so dass Bewerber damit rechnen sollten, dass erst ihr vierter oder fünfter Entwurf ein wirklich hochkarätiges Schreiben darstellen wird. Aus diesem Grund sollte entsprechend viel Zeit für das Motivationsschreiben eingeplant werden.

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Mustervorlage Auslandsstipendium

  Beispiele erfolgreicher Bewerbungen:

Auslandsstipendium
EBSolute Excellence Gold Stipendium

Hinweis: Die hier eingestellten Vorlagen und Beispiele dienen der Orientierung und der Ideenfindung zur Gestaltung eines eigenes Motivationsschreibens. Sie garantieren weder den Erfolg einer Bewerbung und beruhen nicht auf offiziellen Empfehlungen von Vergabestellen für Stipendien. Die hinterlegten Beispiele stammen jedoch ausschließlich aus erfolgreichen Bewerbungen.
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