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Erfahrungsbericht - Stipendium der Hanns-Seidel-Stiftung
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   Überblick

Die Hanns-Seidel-Stiftung ist unter den deutschen Begabtenförderungswerken eine der sechs parteinahen politischen Stiftungen, in diesem Fall der CSU nahestehend, analog zur Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP), Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne) und Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke). Entsprechend der allgemein gängigen Regularien vergibt sie Stipendien an Universitäts- und Fachhochschulstudenten in allen Fachrichten sowie für ein Studium im In- und/oder Ausland.

   Bewerbung

Im Groben gleicht die Bewerbung um ein Stipendium bei der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) bezüglich der Anforderungen den allgemeinen Regularien der anderen politischen Stiftungen, ist aber in Nuancen verschiedenen. Die Bewerbungsfristen sind in der Regel der 15. Januar für das Sommersemester und der 15. Juli für das Wintersemester (Website vorher checken!).

Bereits die formalen Anforderungen der Bewerbung sollte man unbedingt und zu 100% einhalten, da dies schon einen ersten praktischen Aufschluss über die Qualitäten – oder Schwächen – des Bewerbers gibt. Alle Unterlagen müssen in vier separaten Dokumentensätzen – also ein Original und drei Kopien – ungebunden eingereicht werden. Neben einem ausgefüllten Bewerbungsformular und den üblichen Unterlagen wie Zeugnissen und Bestätigungen werden ein tabellarischer Lebenslauf und ein ausformulierter und handschriftlich (!) geschriebener Lebenslauf gefordert, wobei das Außergewöhnliche sicher die handschriftliche Komponente ist. Aber auch das ist wieder ein, wenn auch unkonventionelles, Auswahlkriterium und zeigt reicht eindrucksvoll, wie gewissenhaft, engagiert und konsequent ein Bewerber ist.

Darüber hinaus werden ein Aufsatz über Studien- und Berufsziele sowie zwei Gut-achten verlangt – eines über die fachliche Eignung des Bewerbers (Noten, Leistung, Lernverhalten u.ä.) und eines über die persönliche Eignung (Engagement in Politik und/oder Gesellschaft im weitesten Sinne). Für das Fachgutachten empfiehlt sich erfahrungsgemäß ein Gymnasiallehrer in herausgehobener Position (idealerweise Schulleitung), für das Persönlichkeitsgutachten wählt man notfalls einen weiteren Lehrer (Vertrauenslehrer, Betreuungslehrer, Klassenlehrer, Leistungskurslehrer o.ä.), idealerweise aber eine herausgehobene Person aus dem Bereich, in dem man sich engagiert (Vereinsvorstand, Arbeitgeber o.ä.). Die Gutachten müssen in nur einer Fassung in einem verschlossenen Umschlag dem Originaldokumentensatz beigefügt werden. Von der HSS gibt es ein Richtlinienblatt für Gutachten, das man den Gutachten unbedingt rechtzeitig vorher zukommen lassen sollte. Außerdem sollte man mit ihnen den eventuellen Gutachteninhalt durchsprechen mit Blick darauf, was man besonders hervorheben könnte (Blick auf die Werte der HSS werfen!).

Alle Unterlagen sollten dann rechtzeitig per Einschreiben, Rückschein und im un-biegsamen Kuvert den Weg nach München finden.

   Auswahlprozess

Nach einer unterlagenbasierten Auswalrunde durch die HSS – bei der man wie üb-lich nicht alleine durch ein Kriterium überzeugen kann, sondern durch ein stimmiges Package aus Leistung, Erfahrung und Persönlichkeit – werden die besten Bewerber zu einem Auswahltag nach München ins HSS-Hauptquartier (Innenstadt) eingeladen, typischerweise ein Samstag Mitte März bzw. September. Der Auswahltag beginnt mit einer Art Klausur, indem ein Aufsatz über ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema geschrieben wird (bei mir: Energiewende). Entsprechend sollte man sich zu den großen Themen der letzten Wochen informiert haben und die Regeln für eine gute Argumentationsstruktur parat haben. Der Standpunkt, den ein Bewerber im Aufsatz vertritt, wird nicht gewertet – nur, wie die Meinung untermauert, begründet und abgewogen wird. Die Quintessenz des Aufsatzes sollte man im Kopf behalten, da sie im weiteren Verlauf noch wichtig werden könnte.

Nach dem Mittagessen (wird gestellt) nehmen alle Bewerber an je einer Diskussionsrunde von etwa 20 Minuten zu einem vorgegebenen Thema teil (bei mir: Managergehälter), in das man sich zu Beginn aber kurz einlesen und eindenken darf. Wie üblich soll es in der Diskussion keinen Gewinner, Schleimer, Chef oder Moderator geben – und wer auch immer meint, sich solche Rollen auf Kosten anderer anreißen zu müssen, wird schlechte Chancen haben. Es empfiehlt sich daher, natürlich aber bestimmt zu bleiben und in jeder Hinsicht für ein Gleichgewicht in der Diskussion zu sorgen – dann hat man gute Chancen.

Der dritte Teil des Auswahlprozesses ist ein Gespräch mit einer dreiköpfigen Aus-wahlkommission, bestehend aus Stiftungsvertretern und HSS-Alumni. Dabei werden wunde Punkte im Lebenslauf ebenso thematisiert wie fragliche Aspekte im vorher verfassten Aufsatz. Es kann auch Allgemeinwissen abgefragt werden (Bundeskanzler, Tageszeitungen, Parteien, Politikernamen, Komponisten, Künstler u.ä.). Es kann ebenso auf Aspekte, welche die Gutachter im Gutachten herausgestellt haben, eingegangen werden. Kurzum: Das Interview ist schwer berechenbar und kann sich – wie so oft – um alle möglichen Themen handeln. Es ist weniger ein Gespräch als ein recht durchgetaktetes Frage-Antwort-Nachfrage-Antwort-Spiel.

Insgesamt spielen wohl alle drei Komponenten des Verfahrens die gleiche Rolle. Wenn es ein Zünglein an der Waage gibt, dann ist es aber das persönliche Ge-spräch, weil sich daraus die meisten Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Be-werbers ziehen lassen. Entsprechend sollte man hier auf Alles vorbereitet sein.

Die Antwort kommt bei Zusagen telefonisch und bei Absagen schriftlich binnen in der Regel zwei Wochen nach Auswahltag.

   Stipendienleistungen

Die Leistungen der HSS decken sich im Grunde mit denen der anderen Begabten-förderungswerke und setzen sich zusammen aus einem fixen Büchergeld (bisher 150,00 EUR, ab September 2013 300,00 EUR pro Monat) und einem optionalen Le-benshaltungsstipendium, das gemäß der BAFöG-Richtlinien (Vermögen des Stipendiaten und der Eltern) gewährt oder nicht gewährt wird (BAFöG-Rechner online checken!). Das Lebenshaltungsstipendium beträgt maximal 550,00 EUR monatlich, zusätzlich zum Büchergeld.

Darüber hinaus gibt es – wie bei vielen anderen Stiftungen – zahlreiche Zusatzleis-tungen, sei es für Auslandssemester, Auslandsstudien, Sprachkurse, Auslandspraktika usw. Diese werden jedoch wie üblich nur nach gesondertem Antrag und „kleiner“ Bewerbung – in der Regel in Form von Motivationsschreiben – vergeben. Benötigt man allerdings eine solche Extraleistung und gibt man sich bei der Bewerbung die übliche Mühe, werden diese Leistungen auch gewährt. Sämtliche Zusatzleistungen werden aber erst gewährt, sobald man die Hauptförderung erreicht hat. Dies ist übrigens bei fast allen anderen Stiftungen auch der Fall.

Nach einem Jahr Probezeit werden erneut zwei Gutachten, diesmal von Hochschullehrern, gefordert, die sich explizit über die Eignung des Bewerbers bezüglich der Übernahme in die Hauptförderung äußern. Entsprechend sollte man auch hier mit seinen Gutachtern, die man selbst bestimmen kann (idealerweise exponierte Professoren, auf keinen Fall reine Dozenten oder juniore und/oder Teilzeitkräfte o.ä.), durchsprechen, welche Punkte man selbst für wichtig hält, um diese entsprechend zu lancieren. Wenn aber bei Noten und Persönlichkeit keine alarmierende Tendenz festzustellen ist, sondern dasselbe Niveau wie üblich oder eine Verbesserung in welcher Form auch immer (Engagement o.ä.), steht der Hauptförderung nichts im Weg.

Die ideelle Förderung der HSS kann sich hervorragend sehen lassen und ist sehr interdisziplinär, da stets auch Seminare von anderen Förderlinien der HSS (z.B. Medien) besucht werden können. So erhält man ein unglaublich breites Seminarangebot von Rhetorik über interkulturelle Kommunikation, Außenpolitik, Gesellschaftspolitik oder Entwicklungen im Nahen Osten bis hin zu religionswissenschaftlichen Seminaren, wobei man im HSS-Intranet Seminartermine bequem buchen kann. Die Seminare mit Vollverpflegung laufen in der Regel von Freitag bis Sonntag, entweder in Wildbad Kreuth (südlich von München) oder in Kloster Banz (Nähe Bamberg).

Insgesamt kann die HSS mit ihren stellenweise bekannteren Pendants, als solche der Studienstiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung, in jeder Hinsicht absolut mithalten. In der Tat ist sogar ein großer Vorteil der HSS, dass ihre Stipendienpro-gramme kleiner sind, was den unglaublich wichtigen Vorteil hat, dass der Kontakt zur Stiftung wesentlich problemloser, persönlicher und effizienter abläuft, als dies bei den beiden „großen“ etwa abläuft. Daher ist die HSS absolut zu empfehlen, bzw. durchaus erste Wahl, was Studienstipendien angeht.
Erfahrungsbericht von "Anonym"

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