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Erfahrungsbericht zum Auslandsjahr in Estland an der Universität Tallinn
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   Land und Leute

Estland gehört zu einem der drei baltischen Staaten und sieht sich als baltischer Tiger, da man hier mit harten Sparzielen und einer strengen Europapolitik den Weg ins geeinte Europa geschafft hat und zudem noch in 2012 erfolgreich den EURO als gültiges Zahlungsmittel implementiert hat. Mit seinen 1,3 Mio. Einwohnern ist es zu dem sehr klein aber dennoch fein. Die Bevölkerung teilt sich in einen kleinen Teil russischer Esten und einen größeren Teil von Esten auf. Geschichten aus der Vergangenheit werden immer mal wieder gerne erzählt, aber in meinen beiden Auslandssemestern habe ich es doch geschafft nicht zwischen den beiden Gruppen zu "reisen", sondern habe beide mit auf meine spannende Reise im Auslandssemester mitgenommen. Interessanterweise haben sich am Ende des Tages alle lieb, vor allen nach einigen Drinks mit hochprozentigem Inhalt. Darüber hinaus sollte man noch wissen, das Esten ein eher zurückhaltendes Volk sind und hier tatsächlich schweigen des Öfteren auch Gold ist.

   Sprache und Kultur:

Estnisch ist die offizielle Landessprache, neben dieser ist russisch auch noch in den Straßen vorherrschend, es wäre sicherlich ganz gut, wenn man auch zumindest die gängigsten Sachen auf Russisch sagen könnte, da englisch zwar immer öfter aber nicht ständig verfügbar ist. Und damit man auch die Esten gleich gewinnt beim ersten kennenlernen, darf man auch ruhig mit einigen Brocken estnisch um die Ecke kommen, weil dies erwarten sie zumeist nicht von Gaststudenten.

   Studieren und Wohnen

Studieren kann man unter anderem an der Estonian Business School (EBS) in Tallinn, wo auch ich meine beiden Auslandssemester durchgeführt habe, an der normalen Universität von Tallinn (TLU) und an der technischen Universität von Tallinn (TTU). Bei der EBS hat man den Vorteil, dass viele Gastdozenten aus den U.S.A. kommen und somit sehr viel Wissen einem auch vermitteln, im Unterricht wird viel debattiert und mit der entsprechenden "hands-on" Mentalität der Amerikaner werden Probleme direkt und ohne viel drum herum gelöst. Studentenwohnheime werden zumeist direkt über die Universitäten betrieben, oder es werden Wohngemeinschaften im Zentrum von Tallinn zur Verfügung gestellt zu einem Preis der zwischen 250 -300 EUR pro Monat und Zimmer liegt. Sicherlich kann man sich auch eine eigene Wohnung nehmen, hier helfen von den Universitäten beauftragte Makler als auch frühere Studenten. Neben der Zimmermiete, sollte man auch in etwa 300 - 400 EUR pro Monat zur freien Verfügung haben, da neben Parties und Ausflügen auch mal das ein oder andere Date zu finanzieren ist.

   Studieninhalte

In Estland werden die Kurse für Ausländer auf Englisch angeboten und mit einer Abschlussprüfung wie wir sie alle kennen auch beendet. Neben einer klassischen Klausur gibt es aber auch Projektarbeiten oder Präsentationen die zur Notenfindung beitragen. Neben klassischen Investment- Fächern und Fächern, die einem versuchen zu erklären wie die Wirtschaftswelt so funktioniert, werden aber auch Themenfächer wie z.B. die EU, Pressearbeit, Lobbyismus etc. gelehrt. Ein Einstieg hier kann einen nur weiterbringen und zudem sind die Kurse sehr klein, so dass man auch entsprechend viel an Wissen und Erfahrung mitnehmen kann.

   Finanzen

Die Zimmermiete beträgt im Wesentlichen zwischen 250 - 300 EUR pro Monat. Für Essen und Trinken sowie Ausgehen liegt man im Schnitt bei 300 - 400 EUR pro Monat. Es ist noch eine empfohlene Reserve von 500 EUR zu halten. Das Preisniveau befindet sich zu meiner Überraschung auf deutschem Niveau, vielleicht mit ganz kleinen Abschlägen nach unten. Was die estnische Gastronomie aber sehr liebenswert macht, ist die größere Menge an Essen oder auch Trinken (Bier wird bis zum Rand des Glases eingeschenkt), so dass diese Maßnahme im Grunde den gleichen Preis etwas ausgleicht. Landeseigene Produkte sind relativ billig und sollten auch zum Zwecke der Unterstützung der einheimischen Industrie gekauft werden, ausländische Produkte wie z.B. Nutella sind durchaus auch 50% teurer als in Deutschland. Vergleichbare Produkte gibt es aber auch von einheimischen Produzenten. Gute Einkaufsmöglichkeiten bieten in Tallinn:

- Das Viru Keskus (Shopping Centre)
- Solaris- Center (Shopping Centre)
- Stockmann
- Russischer Wochenmarkt

   Studienfinanzierung

Einen Teil meiner Studiengebühren habe ich durch die Deutsche Bildung in Frankfurt am Main finanzieren können, die Finanzierung sieht vor, dass man zuerst Auszahlungen durch die Deutsche Bildung erhält, diese Auszahlungen wird man dann mit Start ins Berufsleben dann zurückzahlen. Dabei muss der Bruttoverdienst über 1.500 EUR liegen. Es gilt über die ganze Zeit hinweg ein prozentualer Wert, der auf den Bruttoverdienst gerechnet wird, so dass im Wesentlichen erst mit Anstieg des Gehalts auch steigende Rückzahlungen erfolgen.

Auszahlungen durch den Fonds können in quartalsweisen Beträgen als auch monatlichen Beträgen erfolgen. Das besonders gute ist dabei, dass man erst einen Job auch haben muss, damit man zurückzahlen kann, das erleichtert somit ein wenig die Wahl des zukünftigen Berufes, da man nicht gezwungen ist, sofort einen Job anzunehmen nur um die Deutsche Bildung bedienen zu können. Des Weiteren sind diese Rückzahlungen an den Deutsche Bildung Fonds auch anrechenbar in der jährlichen Steuererklärung und das bis zu 6.000 EUR als Sonderausgaben solange die Rückzahlung läuft bzw. als nachgelagerte Ausbildungskosten, hier gibt es keine Grenze im Betrag. Die Entscheidung über "nachgelagerte Ausbildungskosten" die voll ansetzbar sind, ist durch das Bundesfinanzgericht noch nicht entschieden.

   Praktikum

Wenn man sich für ein ganzes Jahr im Ausland entscheidet, wie ich das getan habe, kann man auch durchaus ein Praktikum in Estland machen. Bei der Suche sind die Universitäten immer behilflich, da diese auch eigene Career- Offices haben und man sich somit auf dessen Hilfe auch verlassen kann, was nicht bedeutet, dass man nicht selber auch pro aktiv sein sollte. Augen und Ohren offen halten und bei den Esten die man kennt, auch ruhig mal fragen, da Estland sehr klein ist und somit auch "jeder jeden kennt" gehört genauso dazu. Beim Wetter hatte ich damals in 2011 absolut viel Glück, wir hatten sehr viel Sonne und konnten somit auch am Strand von Tallinn relaxen. Wichtig ist, dass Praktika jeglicher Art nicht bezahlt werden.

   Freizeitgestaltung

Sportliche Aktivitäten im Kalev Spa oder auch draußen sind kein Problem. Im Sommer ist zusätzlich der Strand von Tallinn ein schöner Platz als auch der Badeort Pärnu, der im Süden des Landes liegt. Reisen in die Nachbarländer Russland, Litauen und Lettland (Omnibusbetrieb), sowie Finnland und Schweden (Fähre) sollten auf jeden Fall durchgeführt werden. Neben vielen Partys, die man in diversen Clubs erlebt sollten auch einheimische estnische / russische Freunde einen einladen zum Geburtstag, denn nur so kann man wirklich die Seele und Einzigartigkeit des Landes kennenlernen und dabei noch toll essen und trinken. Vor allem wird hier gerne gesehen, dass man am Tisch bei den einzelnen Feierlichkeiten auch trinkt und sich mit dem Gastgeberland identifiziert.

   Sehenswürdigkeiten in Tallinn und Orte die man in Estland besuchen sollte

Zum einen ist da Tallinn mit seiner Altstadt, die mit wenigen Restaurationen bisher ausgekommen ist und trotzdem noch TOP Aussieht. Ein Freilichtmuseum mit dem Namen "Rocca Al Mare" welches die Lebensweise und Traditionen von Estland zeigt. Weitere Inseln und Orte die man besucht haben sollte, sind zum einen die Insel Saaremaa, die einem viel Raum und Zeit zum nachdenken gibt. Pärnu gilt als Badeort Estlands, dort sieht man und wird gesehen, vor allem die estnischen Schönheiten sollte man sich nicht entgehen lassen. Tartu ist eine Stadt südlich von Tallinn und mit einem künstlerischen Touch versehen, so dass auch weitergehende geistige Aktivitäten nicht zu kurz kommen. Es sind noch viele weitere kleinere Inseln zu entdecken, diese sind gut einzusehen bei www.reise-ziele-online.de/estland.

   Think outside the box

Offenheit gepaart mit der nötigen Gelassenheit werden dir als zukünftigen Besucher von Estland definitiv einen großen Vorteil verschaffen, so dass auch du mit einer großen Menge Bekannter und Freunde im Gepäck zurück kommst nach Deutschland, das allerwichtigste aber, mit sehr vielen tollen Erinnerungen und Erfahrungen.
Bericht von Wojciech Pawlowski

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