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Master in Corporate Finance and Investment Management an der Stockholm School of Economics
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Die Stockholm School of Economics (SSE) ist eine im Jahre 1909 in Stockholm gegründete Business School. Ziel ist es seit jeher, eine internationale und praxisorientierte Ausbildung auf höchstem akademischen Niveau anzubieten. Ein Blick in die Lebensläufe vieler schwedischer Unternehmer und Top-Manager verrät, dass ein Studium an der SSE auf jeden Fall in Schweden einen ausgezeichneten Ruf genießt. Die Einbindung der SSE in internationale Uni-Netzwerke (z.B. CEMS) führte jedoch zu einer Öffnung und weiteren Internationalisierung, wodurch das Alumni-Netzwerk in den letzten 10 Jahren auch durch zahlreiche Nicht-Schweden ergänzt wurde. Eines der Aushängeschilder der SSE ist der zweijährige Finance-Master, welche in dieser neuen Form seit 2012 besteht. Er baut strukturell jedoch eng auf das vorherige Programm auf, so dass nicht der Eindruck entsteht, dass es sich um ein unerprobtes Programm handelt. Der Master ist in vier Semester gegliedert, wo bei das erste Semester vier Pflichtveranstaltungen enthält, welcher jeder Student belegen und bestehen muss. Ein weiteres Semester (entweder das dritte oder vierte) ist zudem für die Master-Arbeit reserviert. Im Rahmen dieser Grenzen lässt sich das Studium an zwei Fokusbereichen ausrichten: Investment Management und Corporate Finance. Weiterhin ist eine Kombination des Finance-Masters mit dem CEMS-Programm oder einem Doppel-Master mit der Uni Bocconi in Mailand verbinden. Diese Kombinationen ändern jedoch nichts Wesentliches an der Grundstruktur des eigentlichen Masters und erfordern daher ggf. die Einplanung eines zusätzlichen Semesters, um diese Zusatz-Programme zu absolvieren. Mein Studium an der SSE begann im Herbst 2012, nachdem ich vorher meinen Bachelor in Frankfurt und Moskau im Januar 2012 abgeschlossen habe und dazwischen bei einer Unternehmensberatung gearbeitet habe. Ich stelle die – in meinen Augen – fünf wichtigsten Aspekte des Masters im Folgenden vor und wage anschließend eine Empfehlung, für wen der Master das Richtige ist.

Hineinkommen – wonach sucht die SSE?

Das Aufnahmeverfahren für den Finance-Master wirkt recht spartanisch im Vergleich zu anderen Unis. Assessment-Center, lange Bewerbungsbögen oder Telefon-Interviews? Fehlanzeige. Mit Zeugnissen, GMAT / TOEFL, CV und kurzem Anschreiben ist man dabei. Ein Blick in die CVs meiner derzeitigen Kommilitonen verrät sehr unterschiedliche Hintergründe, jedoch sollte die Bewerbung eine gute Aussage darüber treffen, ob man analytisch / quantitativ arbeiten kann. Somit halte ich den GMAT und gute Noten in relevanten Fächern für den ausschlaggebenden Punkt in einer Bewerbung für den Master in Investment Management und Corporate Finance. Etwas gewagte Aussage, spiegelt aber meine Einschätzung: mit Top 20%-Noten im Bachelors, GMAT >650 und der Einhaltung gewisser Hygienefaktoren in CV und Anschreiben sollte ein Platz sicher sein. Inhalte – bringt mir dieser Finance-Master inhaltlich eigentlich etwas? Bedenken bei der Wahl eines Masters im Finance-Bereich schürt oft die Sorge, „ob man denn überhaupt etwas Neues lernt nach dem Bachelor“. Vorweg gesagt: wer im Bachelor mehrere Finance-Kurse belegt hat, dem werden an der SSE nicht komplett neue geistige Welten eröffnet. Die Semester an der SSE sind in zwei „periods“ unterteilt, in welchen jeweils zwei Kurse belegt werden. Im ersten Semester sind dies beispielsweise Accounting and Financial Statement Analysis, Portfolio Choice and Asset Pricing, Fixed Income and Derivate Markets und Corporate Finance. Während die Inhalte eigentlich jedem aus dem Bachelor zu 90% vertraut sein sollten, gaben diese Kurse mir auf jeden Fall noch einmal einen sehr kompakten und nützlichen Überblick. Dieser Effekt wurde durch zwei Aspekte gefördert: die laufenden (und sehr zeitintensiven) Gruppenarbeiten parallel zu den Vorlesungen und die methodische Verarbeitung der Inhalte. Meinem Empfinden nach führten die Gruppenarbeiten (meist an Hand von Fallstudien) zu einer nachhaltigen Festigung des Wissens, welche ich aus Deutschland durch die ausschließliche Leistungserbringung im Rahmen einer Klausur etwas vermisse. Weiterhin wurden die Lehrinhalte stets methodisch aufbereitet. So ging es bspw. in Fixed Income and Derivative Marketes nicht nur darum, verschiedene Methoden zur Interpolation von Zinsen zu lernen, sondern diese auch in der Software Matlab programmieren zu können. In Accounting and Financial Statement Analysis hingegen bestand ein wichtiger Teil des Kurses aus der Erstellung eines umfangreichen Finanzmodells in Excel. Hier konnte man nicht nur Finanzkennzahlen erlernen, sondern konnte direkt am Modelle eine Intuition für die Kennzahl entwickeln. Auch lernt man schlichtweg methodische Tools, welche zur wissenschaftlichen Arbeit an Finance-Themen unabdingbar sind und welche im Bachelor oft nur tangiert werden. Nach dem ersten Semester wählt man seinen Vertiefungsbereich, welcher entweder Corporate Finance oder Investment Management ist. Man muss in jedem der Bereiche eine Grundzahl an Kursen wählen, wobei einige Kurse für beide Tracks zählen. Meiner Meinung nach unterscheiden sich die Vertiefungen nicht auschlaggebend und ich würde eine Entscheidung an Details in der Kurswahl abhängig machen. Ein weiterer nennenswerter Kursbaustein an der SSE ist die Stockholm School of Entrepreneuship, ein Zusammenschluss aller Stockholmer Unis, welcher die akademische Ausbildung im Unternehmensgründungsbereich voran treibt. Hier besteht die Möglichkeit MBA-ähnliche Kurse zu belegen und von sehr guten Gründernetzwerk der SSE zu profitieren.

Unternehmensnetzwerk und „Target-Uni“ – finde ich damit einen Job?

Das wirklich geringste Problem dürfte es sein, aus dem Master an der SSE zu Interviews von Investmentbanken und Unternehmensberatungen eingeladen zu werden. Gerade zu Beginn des Masters (in Hinblick auf die Praktikumsplätze im folgenden Sommer) findet eine beinahe skurrile Häufung von Recruiting-Veranstaltungen an der SSE statt. In sprichwörtlich jeder Mittagspause besteht die Möglichkeit, sich von Bain, McKinsey, Goldman, Morgan Stanley usw. zum Mittagessen einladen zu lassen. Das spart nicht nur teures Essengehen in Stockholm, sondern erlaubt direkten Kontakt zu interessanten Firmen. Gerade die Beziehung zwischen Investmentbanken in London und der SSE scheint ausgesprochen hoch zu sein. Auch längerfristig dürfte sich ein Studium an der SSE auszahlen, denn die Uni hat ein großes Netzwerk, welches insbesondere auch in die in Schweden sehr starke Private Equity-Branche reicht. Die Sorge, dass man mit einem „noch mehr glitzernden Namen“ einer englischen oder französischen Uni bessere Chancen auf Interviews bei den Top-Firmen hat, wage ich sehr zu bezweifeln, denn in meinem Bekanntenkreis an der SSE waren Nicht-Einladungen zu Interviews nach einer Bewerbung die absolute Ausnahme.

Internationalität an der SSE – Sprachfasching in der Vorlesung!

Stockholm allgemein, SSE im Speziellen und dann ganz besonders der Finance-Master sind ausgesprochen internationale Orte. Englisch ist überall Gang und Gebe und das Publikum im Finance-Master kommt aus aller Herren Länder. Die mit Abstand größten Nationalitäten sind Schweden und Deutsche. Gerade die hohe Quote an Deutschen kann man positiv oder negativ auf Deutscher Sicht interpretieren. Auf der einen Hand verliert man dadurch natürlich etwas an kultureller Erfahrung, weil sich bspw. Gruppenarbeiten oft in den Nationalitäten sammeln. Auf der anderen Hand wird das persönliche Netzwerk wahrscheinlich am Ende des Tages doch primär Deutschland-zentriert sein und so kann man langfristig die Entwicklung seiner deutschen Kommilitonen begleiten. Auch die Professoren kommen aus den verschiedensten Ländern und scheinen an der SSE ein dankbares Forschungsumfeld zu finden. Wer sich noch weiter Internationalisieren möchte, der kann einen Teil seines Masters außerhalb Schwedens verbringen, entweder über das Partner-Uni-Programm, über CEMS oder über die Kooperation mit der Uni Bocconi. Diese Möglichkeit wird von vielen Master-Studenten genutzt und kann recht standardisiert in den eigentlichen Master integriert werden. Hier liegt jedoch liegt auch ein Kritikpunkt der SSE, denn besonders flexibel sind die Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt nicht. Entweder man schließt sich einem standardisierten Programm für ein Auslandssemester an, oder es wird nicht angerechnet. Diese Programme sind in der Tat sehr gut, doch mögen manche vielleicht etwas mehr Freiheit bei der Gestaltung.

Leben in Stockholm – genauso wichtig wie das Studium selber?

Ein Master-Studium soll natürlich nicht nur Mittel zum Zweck sein, sondern auch Spaß machen. Stockholm bietet dafür einen schönen Rahmen, die Stadt ist wirklich lebenswert. Viel Wasser & Natur, ein gutes Nachtleben und ein junges Publikum machen den Ort zum Studieren ideal. Die SSE selbst ist auch in der Mitte der Stadt gelegen und ist somit ein guter Ausgangspunkt. Drei Dinge muss man jedoch vor einer Entscheidung für Stockholm wissen: 1) die Winter sind sehr lang, dunkel und kalt (dafür die Sommer umso schöner!), 2) das Preisniveau ist hoch im Vergleich zu Deutschland und 3) ist es schwer eine Wohnung zu finden. Es gibt jedoch für alle drei Aspekte pragmatische Lösungen und gerade Punkte 2) und 3) sind sicher für Studienorte in England und der Schweiz sehr ähnlich. Die meisten deutschen Studenten leben an der SSE in den zahlreichen Studentenwohnheimen, welche teils in kürzester Umgebung der Uni zu finden sind. Im Wesentlichen ähneln diese Wohnheime aber eher WGs, d.h. es teilen sich immer ca. 3 Leute Bad / Küche / Wohnzimmer und haben je ein einzelnes Zimmer. Preislich liegen diese Wohnungen ca. ein Drittel über dem Niveau eines WG-Zimmers in einer deutschen Großstadt, dafür wohnt man jedoch auch im absoluten Zentrum Stockholms. Eine weitere Möglichkeit bietet das Umhören bei gerade graduierenden SSEler, welche aus Wohnungen ausziehen und somit Nachmieter benötigen. Nun fehlt mir ein wenig die Vergleichsmöglichkeit zu anderen Master-Studiengängen, doch das Maß an studentischer Initiative an der SSE ist echt enorm. Es gibt wirklich für alles einen Student Club und allgemein ist die Identifikation der Studenten mit der Uni sehr, sehr hoch. Legendär sind auch die Partys im Keller des historischen Uni-Gebäudes, welche oft und intensiv stattfinden. Dazu kommen viele studentisch-organisierte Reisen, Case-Competitions usw. Langweile dürfte tatsächlich schwer aufkommen. Gerade auf zu Beginn des Masters betreibt die SSE bzw. die Student Union einen großen Aufwand, den Start so interessant und angenehm wie möglich zu gestalten. Mir persönlich hat der Austausch in den ersten Tagen des Studiums sehr viel gebracht, denn viele alltägliche Probleme in einem neuen Land relativieren sich schnell, wenn man merkt, dass es nicht nur einem selber so geht!

Wem kann ich den Master empfehlen – wem nicht?

Generell bin ich ausgesprochen froh mit meiner Wahl, den Finance Master an der SSE zu machen. Ich würde das Programm auch ohne Vorbehalte empfehlen. Innerhalb des Spektrums der potentiellen Master-Studenten möchte ich dennoch eine Einschätzung darüber treffen, für wen das Programm insbesondere und für wen das Programm eher nicht geeignet ist. Insbesondere würde ich den Master in Investment Management and Corporate Finance für Leute empfehlen, welche eine Vertiefung von Finance-Inhalten suchen, ohne sich allzu sehr inhaltlich festzulegen. Man wird sich während des Programms mit einem ziemlich breiten Querschnitt aus eher angewandter Finance (Financial Analysis, Corporate Finance) und ökonometrischer Methodik beschäftigen. Auch sollte man eine Affinität für Gruppenarbeiten mitbringen und sein Studium nicht unbedingt als Wettbewerb gegen andere sondern als Wettbewerb mit anderen verstehen. Eher weniger empfehlen würde ich den Master, wenn man eine sehr spezielle methodische und quantitative Ausbildung sucht (dann würde ich eher einen klassischen Quantitative Finance Master vorziehen) oder hingegen gar nicht gerne wissenschaftlich arbeitet. In letzterem Fall würde ich eher ein (MBA-ähnliches) Master-Programm empfehlen, welches kürzer ist und mehr Praxisbezug hat.
Erfahrungsbericht von "Anonym"

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