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Bachelor of Science in Betriebswirtschaftslehre an der WHU – Otto Beisheim School of Management
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Einleitung

Bereits lange vor dem Abitur war mir klar, dass ich ein wirtschaftswissenschaftliches Studium anstrebe, um nach Studienabschluss möglichst flexibel zwischen mehreren Berufsbildern wählen zu können und mich nicht auf eine Branche vorfestlegen zu müssen. Allen Neugierigen kann ich bereits an dieser Stelle des Berichts versichern, dass diese Erwartung voll erfüllt wurde. Bei der Wahl der Hochschule konnte ich aufgrund meines sehr guten Abiturs unter den staatlichen Universitäten wählerisch sein, einzig bei privaten Hochschulen stand ein Auswahlverfahren der Zulassung noch im Weg. Nachdem ich bei einem Schnuppertag und diverse SPIEGEL- / ZEIT-Rankings einen sehr guten Eindruck der WHU gewonnen hatte, beschloss ich, mich trotz des Standortnachteils Vallendar dort zu bewerben.

Auswahlverfahren

Im Gegensatz zu staatlichen Unis setzt die WHU auf ein ausführliches Auswahlverfahren, das sowohl aus einem personalisierten Fragebogen, wie auch einem Assessmentcenter (kurz AC) besteht. Die Bestandteile von Letzterem sind auf der WHU-Homepage einsehbar, weswegen ich dieses Thema nicht ausführlich behandle. Im AC ist es hilfreich, zuvor die Dreisätze, Kopfrechnen und Prozentrechnen zu wiederholen, sowie ein kollegiales Verhalten in den Diskussionen zu zeigen. Übermäßiger Ellenbogeneinsatz schien bei einigen meiner Mitdiskutanten jedenfalls nicht zum Studienplatz zu führen. Das Ergebnis des AC erfährt man wenige Tage später.

Die WHU, ihre Ausstattung, und die Wohnsituation in Vallendar

Die Ausstattung des WHU-Campus ist wohl die beste, die ich an irgendeinem Hochschulcampus bisher gesehen habe. Alle Gebäude sind 24/7 mit der Studentenkarte erreichbar, überall auf dem Campus gibt es WLAN, das Gym ist ordentlich ausgestattet, die Mensen sind m.E. überdurchschnittlich (wobei sich hieran die Geister scheiden), und es gibt sogar einen relativ guten Flügel in der Kapelle, der von den diversen Chören und anderen Musikbegeisterten oft genutzt wird. Die Wohnsituation ist leicht angespannt, allerdings befinden sich momentan (Frühjahr 2013) noch weitere Wohnungen in Bau, weswegen man sich hiervon nicht abschrecken lassen sollte. Ich hatte Zeit meines Studiums in einer 1 ZKB Wohnung mit c.a. 25-30qm für 360€ kalt (aber inkl. NK) gewohnt und einen Fußweg von 2 Minuten zur WHU. Vallendar selbst ist ein Dorf, jedoch für ein solches sehr gut ausgestattet. Das Verhältnis der Bevölkerung zur WHU ist mit Ausnahme sehr seltener Zwischenfälle relativ positiv, solange die Studenten eine übliche Nachtruhe wahren, was bis auf einige Ausnahmen stets der Fall ist.

Das Studium an der WHU, oder auch: Die Hochschule mit allen Vor- und Nachteilen...

Dass die WHU ihren Anspruch, eine der renommiertesten Business Schools in Europa zu sein, im Studienalltag in vielerlei Hinsicht zum Ausdruck bringt, sollte eigentlich nicht überraschen, tat es letzten Endes jedoch bei einer Vielzahl Kommilitonen, so auch mir. Musste ich zu Abiturzeiten denkbar wenig Aufwand in schulische Arbeiten stecken, um zur Jahrgangsspitze zu zählen, wurde mir an der WHU schmerzhaft bewusst, dass auch ein (sehr) hoher Lernaufwand keine Garantie für gute Noten bedeuten kann. Die meisten Studenten verschlechtern sich im Vergleich zu ihrem Abiturdurchschnitt um 0,5 bis 0,8 Notenpunkte; auch Verschlechterungen um mehr als eine ganze Note sind keine Seltenheit. Dies sollte allen Bewerbern im Vorfeld bewusst sein, da es beim ein oder anderen leider zu psychologischen Problemen führen kann. Der hohe Anspruch des Studiums hat jedoch auch zahlreiche Vorteile, u.a. dass die WHU hiermit bewusst eine leistungsorientierte Studentenschafft anzieht, was ich als sehr motivierend empfand. Bei Problemen hilft man sich trotz aller Rankings wo man nur kann, und der Zusammenhalt innerhalb der Studentenschafft ist sehr hoch. In Frage stellen kann man jedoch, ob ein Arbeitsaufwand, wie er an der WHU gepflegt wird, „normal“ oder wünschenswert ist. Regelmäßiges Lernen oder Gruppenarbeiten bis in die sehr späten Nachtstunden lassen sich trotz guter zeitlicher Organisation nicht verhindern, wenngleich es in letzter Zeit vermehrt Bemühungen der Hochschule gibt, Cases aus Klausurphasen fernzuhalten, um den Aufwand gleichmäßiger zu verteilen. Leider gelingt dies jedoch eher unzureichend, sodass man am Ende eines jeden Semester meistens geistig und körperlich zu nur noch wenig zu gebrauchen ist. Wer ein Studium an der WHU beginnen möchte, sollte sich also darauf einstellen, kein „lockeres Studentenleben“ genießen zu können, sondern permanent gefordert zu werden. Ich fand dies unter dem Strich sehr angenehm, da ich Unterforderung schlimmer finde als (gelegentliche) Überforderung. Ein riesiger Vorteil des intensiven Studiums ist, dass man sich viel Wissen und wichtige Fähigkeiten (analytisch und zwischenmenschlich) aneignet, die man in allen Lebenslagen gebrauchen kann. Dass WHU’ler bei vielen Unternehmen weit oben auf den Wunschlisten der Personalabteilungen stehen, ist kein Zufall. Doch hierzu später mehr. In den ersten Semestern werden die Grundlagen in allen Fächern gelegt, wodurch die ersten beiden Semester m.E. auch die Anstrengendsten waren. Ab dem dritten Semester hat man mehr Wahlfreiheit, wenngleich das Studium weiterhin einen relativ verschulten Charakter hat und man keine endlose akademische Freiheit genießen kann. Dies ist jedoch, soweit ich weiß, in kaum noch einem BSc-Studium der Fall.

Die Jobsituation nach Studienabschluss

Einer der größten Vorteile der WHU ist neben der m.E. sehr angenehmen Studentenschafft die Reputation bei Arbeitgebern und die daraus resultierenden vielfältigen Chancen. Bereits nach Abschluss des BSc-Studiums stehen einem viele Karrierewege in klassischer Industrie, Finanzindustrie, Unternehmensberatung, oder Gründertum offen. Im Herbstsemester sind fast jede Woche zwei Unternehmenspräsentation, bei denen sich ein Unternehmen zunächst eineinhalb Stunden vorstellt und anschließend alle Studenten ab dem 3. Semester zum Abendessen in den Gewölbekeller der WHU einlädt. Zu diesen Unternehmen zählen neben fast allen großen Banken (u.A. JP Morgan, Morgan Stanley, Deutsche Bank, Credit Suisse, und Bank of America Merrill Lynch) und Beratungsunternehmen (u.A. McKinsey, BCG, Bain, Roland Berger, und Oliver Wyman) auch Industrieunternehmen wie Vodafone, Bertelsmann und Kühne und Nagel. Daneben rekrutieren noch c.a. 10 DAX-Konzerne während Career Days auf dem Campus, und diverse Unternehmen führen auch On Campus-Recruiting Sessions durch (u.A. Roland Berger, JP Morgan, und Bertelsmann). Die Anzahl an WHU’lern insbesondere in Banken und Unternehmensberatungen ist sehr beeindruckend und verdeutlicht, wie positiv ein WHU-Abschluss in der Wirtschaft gesehen wird. In Deutschland wird es wohl neben Mannheim kaum eine andere Universität geben, die ihre Studenten so gut im Arbeitsleben „unterbringt“. In den letzten Jahren haben zudem immer mehr Kommilitonen eigene Unternehmen gegründet, was in erfreulich vielen Fällen gut gegangen ist. Das Alumninetzwerk ist sehr eng geknüpft und bietet neben Coachings durch Alumni auch eine verlässliche Quelle für Einstiegsmöglichkeiten.

Auslandssemester

Im BSc-Studium ist ein Auslandssemester im 4. oder 5. Semester integriert, das nach der Notenreihenfolge der ersten beiden Semester gewählt wird. Bei der Organisation des Auslandssemesters hilft das International Relations (IR) Office, sodass in den allermeisten Fällen das Auslandssemester reibungslos von Statten geht. Die WHU hat ungefähr 170 Partnerunis, die i.d.R mehrere Plätze pro Semester zur Verfügung stehen, sodass auch Kommilitonen mit weniger guten Noten noch eine ordentliche Auswahl an Austauschuniversitäten haben.

Studenteninitiativen

Neben dem eigentlichen Studium spielen die von Studenten organisierten Initiativen eine große Rolle, die zahlreiche Interessensgebiete von Finance über Gründertum und Sportevent, bis hin zu „Nischenthemen“ abdecken. Die Mitorganisation eines der großen Kongresse war zwar ein zusätzlicher hoher Arbeitsaufwand, jedoch konnte ich hierbei Dinge lernen, die man im Studienalltag nicht vermittelt bekommen kann, und ich fand dies eine sehr bereichernde Erfahrung. Die meisten WHU’ler engagieren sich in einer der Initiativen, wodurch eine zusätzliche Geschlossenheit und ein hohes Gemeinschaftsgefühl der Studentenschaft entsteht.

Wem kann ich das Studium empfehlen – und wem nicht?

Grundsätzlich kann ich ein Bachelorstudium jedem empfehlen, der sich bewusst ist, worauf er sich einlässt – nämlich ein in jeder Hinsicht intensives und spannendes Studium, in dem man viel erleben und lernen wird. Es ist mir wichtig zu betonen, dass die Entscheidung für die WHU bewusst getroffen werden soll, und nicht halbherzig angegangen werden sollten. Hierfür sollte zwar bereits das Auswahlverfahren sorgen, allerdings empfehle ich allen Bewerbern, sich über die zahlreichen Vorteile (Karrierechancen, Reputation der WHU, Studentenschaft, Initiativen, etc.), wie auch die Nachteile (insb. der Arbeitsaufwand, schlechtere Noten als zu Schulzeiten, hohe Anforderungen) vor Augen zu führen und abzuwägen, ob man sich dieses Studium vorstellen kann. Den besten Eindruck erhält man sicherlich bei einem der zahlreichen Schnuppertage.

Persönliches Fazit

Für mich war die Entscheidung, an der WHU zu studieren, eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Das Studium war zwar sehr intensiv, aber unglaublich bereichernd, und die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt könnten kaum besser sein. In Vallendar habe ich wunderbare Kommilitonen mit viel Tiefgang und Empathie kennengelernt, und bin endlich auf Menschen gestoßen, die gerne unternehmerisch denken und dabei dennoch über den Tellerrand schauen. Die oben genannten Nachteile sind zwar nicht wegzudiskutieren, was auch nicht meine Absicht ist, allerdings überwiegen im Rückblick klar die Vorteile und ich bin froh, in Vallendar studiert zu haben!
Erfahrungsbericht von "Anonym"

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